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Klimaveränderung und Migration in Westafrika


Westafrika besteht aus verschiedenen Ökosystemen, von eher tropisch-feuchten Gebieten im Süden bis hin zu trockenen Zonen im Norden. Während Klimawandelvorhersagen bezüglich der saisonalen bzw. jährlichen Niederschläge unsicher sind, wird die vorhergesagte Zunahme der Niederschlagsheftigkeit, die die ohnehin schon starken Klimaschwankungen in der Region überlagern, wahrscheinlich zu häufigeren Dürren und Überschwemmungen führen. Wassermangel und Bodendegradation beeinträchtigen weite Teile der Sahelzone, einer Region südlich der Sahara und nördlich der humiden Gebiete des Kontinents. Die Sahelzone erstreckt sich vom Westen nach Osten über neun Länder von Mauretanien und Senegal bis in den Sudan. In dem Gebiet von Westafrika gab es zwei Dürren, die zu den schlimmsten gehören die je verzeichnet wurden. Eine lange Dürre von 1968 bis 1974, und eine etwas weniger starke von 1982 bis 1984.


Während der ersten Dürre starben mehr als 100.000 Menschen, die meisten davon waren Kinder. Bis 1974 hingen mehr als 750.000 Menschen in Mali, Niger und Mauretanien vollständig von Lebensmittelhilfen ab. Man vermutet, dass diese Dürren und die sich daraus ergebende Bodendegradation zum Teil auf die Erwärmung der tropischen Meere zurückzuführen sind, was selbst wiederum wohl durch den vom Menschen verursachten Klimawandel angetrieben worden ist. Solche Umweltbelastungen können in Zukunft mit dem Klimawandel weiter steigen. Vierundvierzig Prozent der Bevölkerung Westafrikas arbeiten in der Landwirtschaft, die meisten von ihnen bestreiten davon ihren Lebensunterhalt. Trotz der starken Abhängigkeit von der Landwirtschaft in dieser von Klimaschwankungen geprägten Region gehören die unter künstlicher Bewässerung stehenden Gebiete flächenmässig zu den kleinsten der Welt.


So waren zum Beispiel im Senegal im Jahr 2005 nur 67.000 der 8,8 Millionen ha Land künstlich bewässert, was weniger als einem Prozent entspricht. Zwar "grünt" die Sahelzone seit der Dürre Mitte der 80er Jahre, doch die Bevölkerungswachstumsrate ist mit 2,6 Prozent immer noch die zweithöchste der Welt (nach Zentralafrika). Dieses Bevölkerungswachstum könnte in Verbindung mit den Klimaentwicklungen und der Bodendegradation folgende Konsequenzen haben:


- Geringe Pro-Kopf-Produktion in der Landwirtschaft mit der Viehzucht

- Brennholzknappheit

- weniger Niederschläge in einigen Gebieten

- negative Folgen für Regen und  von Bewässerung nötige Landwirtschaft

- Nahrungsmittelknappheit und Hungersnöte in Dürrejahren

- Migration in städtische Gebiete oder fruchtbarere Ackerbaugebiete


Jeder Ort hat seine speziellen Eigenheiten, doch Migration und Belastungen für Wasser und Land sind der gemeinsame Nenner. Ein grosser Anteil der Umweltflüchtlinge wird durch die Bodendegradation und die Dürre in der Sahelzone vertrieben, obwohl die dürrebedingte Migration oft nur vorübergehender Natur ist. Grundsätzlich gibt es grosse Migrationsbewegungen in die küstennahen und die städtischen Ballungsgebiete sowie in die Küstenstaaten.

 

Aus einer Studie über die Auswirkungen des Klimawandels auf Trockengebiete in Westafrika geht hervor, dass sich die durch abnehmende Niederschläge, Bodendegradation und Gewalt verschlechternde Situation in den trockenen und halbtrockenen Gebieten im Senegal, in Mali, Burkina Faso und Niger zwischen 1960 und 2000 zu einer schnellen inländischen Migration Richtung Süden und zum Anschwellen grosser Städte wie Dakar, Bamako, Ouagadougou, Niamey und Kano führte. Schätzungen für Burkina Faso gehen davon aus, dass nahezu die Hälfte der dort geborenen Erwachsenen zumindest für einen Teil des Jahres in Küstenstaaten wie die Elfenbeinküste und Ghana gehen.


Normalerweise war das Viehhirtentum ein wichtiger Mechanismus zum Ausgleich der Klimaschwankungen, da Viehhirten mit ihrer Herde dem Regen folgen können. Oft entstanden symbiotische Beziehungen zwischen Hirt und Landwirt. Die Landwirte bekamen den Viehdung zur Düngung ihrer Felder und liessen die Tiere dafür auf ihren Stoppelfeldern grasen. Da die Sahelzone jedoch immer dichter besiedelt ist, kommt es zwischen Viehhirten und sesshaften Bauern zu immer schwereren Konflikten um die Boden- und Wasserressourcen. Im Senegal haben Feldforschungen gezeigt, dass die Veränderungen in der Umwelt die auf Landwirtschaft beruhenden Lebensgrundlagen negativ beeinträchtigen und über verschiedene Mechanismen zur Migration beitragen.

 

In Gebieten, in denen künstlich bewässerte Landwirtschaft möglich ist, hoffen die Bauern, die nahe des Flusses Senegal leben, dass ihre Art zu leben weiterhin möglich sein wird und deswegen haben sich nicht vor, in Zukunft zu migrieren. Doch in vor allem vom Erdnuss-Anbau geprägten Gebieten, wo die Bodendegradation schwerwiegend ist, sagten die Befragten, dass sie weggehen wollen, falls sich die Situation der Landwirtschaft als Lebensgrundlage nicht verbessert. Die meisten bereits migrierten Menschen sagen, sie würden wieder nach Hause zurückkehren, wenn sich die Situation der Landwirtschaft als Lebensgrundlage verbessert.

Im Senegal beobachten Experten eine steigende Zahl von Menschen, die wegen der Weltwirtschaftskrise wieder zurück aufs Land gehen. Dieser Mechanismus zur Bewältigung der Situation stösst jedoch auf Gegendruck, da die Gebiete, in die die Menschen zurückkehren, in vielen Fällen bereits degradiert sind. Die Konflikte über den Zugang zu Land scheinen zuzunehmen.


Der Trend geht nicht dahin, nach der Migration wieder nach Hause zurückzukehren, sondern vielmehr genau in die entgegengesetzte Richtung. Die Menschen migrieren zunehmend Schritt für Schritt auf der Suche nach einer Umwelt, von der sie leben können. Im Rahmen einer anderen Studie in Burkina Faso haben Forscher herausgefunden, dass Menschen aus trockeneren Regionen im Vergleich zu Menschen aus feuchteren Regionen eher vorübergehend und nicht so häufig dauerhaft in andere ländliche Gebiete migrieren (Land-Land-Migration). Niederschlagsknappheit erhöht die Land-Land-Migration und verringert die Migration ins Ausland. Während der Dürreperioden konnte kein Andrang auf die Städte beobachtet werden. Studien in anderen Gebieten belegen diese Erkenntnis und legen nahe, dass die Umweltbedingungen eine sehr viel direktere Rolle in der kurzfristigen als in der langfristigen Migration spielen. Und wenn Umweltveränderungen das Zuhause unbewohnbar machen, kann sich die kurzfristige Migration weiter ausbreiten.



Wissenschaftler untersuchen Anpassungstrategien für Kleinbauern


Ändert sich das Klima in Westafrika und wie wirkt sich dies auf die Lebensgrundlagen der Bevölkerung aus? Können insbesondere Kleinbauern unter veränderten Umweltbedingungen auf neue Formen der Pflanzenproduktion vorbereitet werden? Das untersuchen Wissenschaftler der Universitäten Göttingen und Frankfurt sowie des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung in Garmisch-Partenkirchen gemeinsam mit Kollegen aus Ouagadougou (Burkina Faso). Sie forschen in dem Projekt "Anpassung der Landnutzung an den Klimawandel in der Sub-Sahara-Region" (ALUCCSA).


Das Verbundvorhaben mit einem Fördervolumen von 1,2 Millionen Euro ist am Tropenzentrum der Georgia Augusta angesiedelt. Die dreijährigen Arbeiten haben im Sommer begonnen und werden vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert.


"Das Deutsche Klimarechenzentrum hat weltweit unterschiedliche Szenarien des künftigen Klimas berechnet. Dieses globale Verständnis der Veränderungen im 21. Jahrhundert hilft jedoch den Menschen in den betroffenen Regionen Westafrikas wenig, sich auf die damit verbundenen Herausforderungen vorzubereiten", so Prof. Dr. Christoph Kleinn, Direktor des Tropenzentrums. So untersucht das Forscherteam die lokalen und regionalen Änderungen des Klimas in der Sub-Sahara-Region von Burkina Faso und analysiert deren Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum und die Konstitution der Haustiere. Einen besonderen Beitrag leistet dazu die Abteilung Bioklimatologie an der Universität Göttingen, die unter der Leitung von Prof. Dr. Gode Gravenhorst seit mehreren Jahren die Wechselwirkung zwischen Pflanzen und Klima in allen Klimazonen der Erde erforscht.


"Aus diesen Forschungsergebnissen wollen wir Möglichkeiten einer angepassten Pflanzenproduktion für Mensch und Tier ableiten und damit die Bevölkerung, speziell die Kleinbauern in Westafrika, bei ihren Anpassungsbestrebungen unterstützen", erläutert Prof. Kleinn. Der Göttinger Wissenschaftler leitet das Verbundprojekt, das auch die Armutsbekämpfung unterstützen soll. Kooperationspartner sind das Internationale Forschungszentrum für Agroforstwirtschaft (ICRAF) in Kenia und das Forschungsinstitut für Umwelt und Landwirtschaft (lNERA) in Burkina Faso.


Quelle: www.innovations-report.de



Warmes Mittelmeer lässt Sahel ergrünen

Feuchte mediterrane Luft facht den westafrikanischen Monsun an

Paradoxer Effekt: Die Erwärmung des Mittelmeers bringt zwar Hitze und Dürren in Südeuropa, doch die Sahelzone profitiert von diesem Klimawandel-Trend. Sie wird regenreicher und grüner. Der Grund dafür: Das warme Meer verändert die Luftströmungen und lenkt den Monsun in den Sahel. Ob die Sahelzone auch langfristig vom Klimawandel profitiert, hängt daher unerwartet eng vom Mittelmeer ab, so die Forscher im Fachmagazin "Nature Climate Change".

Die Sahelzone gilt seit Jahren als Musterbeispiel für eine akut von Desertifikation bedrohte Region. Denn fällt der von Juni bis September herrschende westafrikanische Monsun schwach aus, drohen Dürren und Hunger. Besonders drastisch zeigte sich dies in den 1970er und 80er Jahren, als nach einer bis dahin eher feuchten Periode gleich mehrere verheerende Dürren auftraten. Sie kosteten insgesamt mehr als 100.000 Menschen das Leben.

Doch in den letzten gut 20 Jahren haben die Niederschläge überraschenderweise wieder zugenommen. Ausgerechnet der Klimawandel und die steigenden CO2-Werte der Atmosphäre scheinen sich auf die Sahelzone positiv auszuwirken, wie erst kürzlich eine Studie nachgewiesen hat. Demnach führen vor allem die erhöhten Treibhausgas-Werte zu einer Veränderung der Luftströmungen – und das bringt den Monsun in die Sahelzone.

Was aber ganz konkret den Monsun in den Sahel lenkt, haben nun Jong-yeon Park, Jürgen Bader und Daniela Matei vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg genauer untersucht. Für ihre Studie nutzte sie ein Klima-Atmosphärenmodell, um verschiedene Veränderungen der Wassertemperaturen in tropischen und aussertropischen Meeren nachzubilden. In Simulationen testeten sie dann, wie sich dies auf Zirkulation, Monsun und Niederschläge über dem Sahelgebiet auswirkt. Das überraschende Ergebnis: Entscheidend ist nicht, dass sich die Ozeane erwärmen, sondern welche dies tun. "Es gibt sozusagen einen Kampf zwischen den verschiedenen Meeresregionen", erläutert Bader. "Steigen die Temperaturen der tropischen Meeresoberflächen, nimmt der Niederschlag in der Sahelzone ab.

Die Modellrechnungen zeigen, dass sich die Meeresoberflächen ausserhalb der Tropen in den letzten 20 Jahren besonders stark erwärmt haben. Das führte dazu, dass Luftströmungen in den Sommern mehr Feuchtigkeit aus den nichttropischen Regionen in die Sahelzone transportierten. Das relative Wärmeverhältnis zwischen tropischen und aussertropischen Meeren ist demnach entscheidend.

Interessant dabei: Nicht alle aussertropischen Meere sind für den Sahel gleich wichtig. Stattdessen spielt das Mittelmeer eine herausragende Rolle, wie die Simulationsszenarien ergaben. "Wenn man die Temperaturen der Meeresoberflächen im Mittelmeer konstant hält, erhöht sich der Niederschlag in der Sahelzone nicht", berichtet Bader. Erwärmt man dagegen das Mittelmeer, die Meere der Arktis, des Nordatlantiks und des Nordpazifik aber nicht, regnet es in der Sahelzone mehr.

Der Grund dafür: Wird das Mittelmeer wärmer, steigt in der Luft darüber die Feuchtigkeit. Diese feuchten Luftmassen strömen im Juni über Ägypten Richtung Sahelzone und regnen dort ab. Das wiederum wirkt wie eine Art Motor für den Monsun: Die zusätzliche Feuchtigkeit in der Sahelzone verstärkt die Konvektionsströmungen über der Sahelzone. "Es steigt mehr Luft auf, was wiederum den Zustrom feuchter Luft aus dem tropischen Atlantik intensiviert", erklärt Bader.

Auch in Zukunft dürfte das Mittelmeer demnach eine entscheidende Rolle dabei spielen, ob es im Sahel mehr oder weniger regnet. Welcher Trend sich dabei durchsetzt, hängt davon ab, ob sich das Mittelmeer weiterhin stärker erwärmt als die tropischen Ozeane und nicht etwa schwächer.


(Nature Climate Change, 2016; doi: 10.1038/nclimate3065)

(Max-Planck Gesellschaft, 04.07.2016 - NPO)



Quelle: http://www.scinexx.de/wissen-aktuell

Das Klima Westafrikas


Wenn man Westafrika in südliche Richtung durchquert, kann man verschiedene Klimagürtel mit ihrer ganz eigenen Pflanzen- und Tierwelt bewundern. Im Norden liegt die scheinbar endlose Sahara, an die sich eine Dornen- und dann eine Baumsavanne anschliessen. Der Süden Westafrikas ist das ganze Gegenteil des trocknen Nordens. Am Küstenstreifen spriesst das Grün denn er ist von tropischem Regenwald geprägt.

Solche idealen Bedingungen für das Leben herrschen in der heissesten und grössten Wüste der Erde nicht. In der Sahara, die fast so riesig wie Europa ist, kann die Temperatur an einem einzigen Tag um 50 Grad schwanken. Menschen, die der unwirtlichen Natur trotzen, besiedeln Oasen oder ziehen als Nomaden umher.


Wasser ist im nördlichen und mittleren Westafrika knapp und kostbar. Dort schmiegen sich die Siedlungen an Flüsse, den Lebensadern der Region. Die Ufer des mächtigsten Stroms Westafrikas, dem Niger, beheimaten 110 Millionen Menschen. Er entspringt in den regenreichen Tropen, schlängelt sich bogenförmig durch die trockene Sahelzone und mündet als Delta in den Golf von Guinea.


Mensch und Natur sind in Westafrika auf Regen angewiesen. In den Wintermonaten fällt an manchen Orten Westafrikas kein Tropfen Niederschlag. Die Trockenzeit ist in den verschiedenen Klimazonen der Region unterschiedlich lang: Bewohner der malischen Dornen-Strauchsavanne müssen acht Monate ohne Regen ausharren, während es in der Feuchtsavanne der Côte d'Ivoire vier Monate sind.


In der trockenen Zeit des Jahres weht ein besonderer Wind: Der mächtige Harmattan ist ein Passat, der aus dem Nordosten der Sahara über Westafrika bläst. In der Wüste nimmt er Unmengen Staub auf und überzieht alles mit einer feinen Sandschicht. Manchmal verdunkelt der Wüstenwind für Tage den Himmel und Fluggesellschafen müssen ihre Maschinen am Boden lassen.


Lebenswichtig ist sein meteorologischer Gegenspieler: Der westafrikanische Monsun ist ein Passatwind, der über dem Atlantik entsteht und gegen den schwächer werdenden Harmattan am Ende der Trockenzeit anstürmt. Über dem Meer saugt der Monsun Wasser auf, das er als lebensspendende Fracht über Westafrika verliert. Ohne diese Regengüsse wäre in vielen Gegenden kein Leben möglich.

Ist der Monsun schwach oder bleibt er aus, erleiden Millionen Menschen Ernteausfälle, beklagen verendetes Vieh und bleiben hungrig. Forscher vermuten, dass die schwankende Stärke des Monsuns davon abhängt, wie kalt bestimmte Meeresströmungen sind. Doch abschliessend erklärt sind die Zusammenhänge nicht, denn Passatwinde gehören zu den komplexesten Naturphänomenen überhaupt. Deswegen kann niemand mit Bestimmtheit vorhersagen, wie sich der Klimawandel auf den Monsun auswirken wird.

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Wolke bei Sonnenuntergang in der Côte d'Ivoire

Das Klima Westafrikas


Wenn man Westafrika in südliche Richtung durchquert, kann man verschiedene Klimagürtel mit ihrer ganz eigenen Pflanzen- und Tierwelt bewundern. Im Norden liegt die scheinbar endlose Sahara, an die sich eine Dornen- und dann eine Baumsavanne anschliessen. Der Süden Westafrikas ist das ganze Gegenteil des trocknen Nordens. Am Küstenstreifen spriesst das Grün denn er ist von tropischem Regenwald geprägt.

Solche idealen Bedingungen für das Leben herrschen in der heissesten und grössten Wüste der Erde nicht. In der Sahara, die fast so riesig wie Europa ist, kann die Temperatur an einem einzigen Tag um 50 Grad schwanken. Menschen, die der unwirtlichen Natur trotzen, besiedeln Oasen oder ziehen als Nomaden umher.


Wasser ist im nördlichen und mittleren Westafrika knapp und kostbar. Dort schmiegen sich die Siedlungen an Flüsse, den Lebensadern der Region. Die Ufer des mächtigsten Stroms Westafrikas, dem Niger, beheimaten 110 Millionen Menschen. Er entspringt in den regenreichen Tropen, schlängelt sich bogenförmig durch die trockene Sahelzone und mündet als Delta in den Golf von Guinea.


Mensch und Natur sind in Westafrika auf Regen angewiesen. In den Wintermonaten fällt an manchen Orten Westafrikas kein Tropfen Niederschlag. Die Trockenzeit ist in den verschiedenen Klimazonen der Region unterschiedlich lang: Bewohner der malischen Dornen-Strauchsavanne müssen acht Monate ohne Regen ausharren, während es in der Feuchtsavanne der Elfenbeinküste vier Monate sind.


In der trockenen Zeit des Jahres weht ein besonderer Wind: Der mächtige Harmattan ist ein Passat, der aus dem Nordosten der Sahara über Westafrika bläst. In der Wüste nimmt er Unmengen Staub auf und überzieht alles mit einer feinen Sandschicht. Manchmal verdunkelt der Wüstenwind für Tage den Himmel und Fluggesellschafen müssen ihre Maschinen am Boden lassen.


Lebenswichtig ist sein meteorologischer Gegenspieler: Der westafrikanische Monsun ist ein Passatwind, der über dem Atlantik entsteht und gegen den schwächer werdenden Harmattan am Ende der Trockenzeit anstürmt. Über dem Meer saugt der Monsun Wasser auf, das er als lebensspendende Fracht über Westafrika verliert. Ohne diese Regengüsse wäre in vielen Gegenden kein Leben möglich.

Ist der Monsun schwach oder bleibt er aus, erleiden Millionen Menschen Ernteausfälle, beklagen verendetes Vieh und bleiben hungrig. Forscher vermuten, dass die schwankende Stärke des Monsuns davon abhängt, wie kalt bestimmte Meeresströmungen sind. Doch abschliessend erklärt sind die Zusammenhänge nicht, denn Passatwinde gehören zu den komplexesten Naturphänomenen überhaupt. Deswegen kann niemand mit Bestimmtheit vorhersagen, wie sich der Klimawandel auf den Monsun auswirken wird.




Westafrika und die Sahel-Dürre


Seit den 1960er Jahren ist über den ganzen Kontinent ein deutlicher Erwärmungstrend festzustellen. Sehr unterschiedlich haben sich die Niederschläge entwickelt. In Westafrika sanken die Niederschläge um 20-40 %, insbesondere im Zusammenhang mit der Sahel-Dürre in den 1970er und 1980er Jahren, in tropischen Gebieten dagegen nur um ca. 3 %, und an der Küste von Guinea war gar eine Zunahme um 10 % festzustellen. In den übrigen Regionen konnte keine deutliche Entwicklung festgestellt werden.


Jüngere Untersuchungen zu den Ursachen der Sahel-Dürre haben zu einem Paradigmenwechsel über die treibenden Kräfte bei Veränderungen des afrikanischen Klimas geführt. Hatte man früher die Ursachen in regionalen Prozessen wie einer veränderten Landnutzung gesehen, so wird heute das afrikanische Klima in grossräumige und globale Zusammenhänge eingebettet. Entscheidend für längerfristige Trends scheinen die Wechselbeziehungen zwischen Ozean und Land zu sein. So wurden die Meeresober-flächentemperaturen der tropischen Ozeane als entscheidende Ursache für die Sahel-Dürre erkannt.

 

Der Temperaturgegensatz zwischen Land und Meer steuert die Monsunwinde, die für viele Regionen Afrikas die Niederschlagsbringer sind. Ist dieser Gegensatz relativ gering, ist auch der Luftdruckgegensatz gering und der Monsun nur schwach ausgeprägt. Es regnet dann weniger über dem Kontinent. Bei einem stärkeren Temperaturgegensatz dringt der wasser-dampfgesättigte Monsun weit ins Landesinnere vor und bringt grössere Regenmengen mit sich. Offensichtlich hat dabei auch die Aerosolbelastung der nördlichen Hemisphäre eine Rolle gespielt. Der Vegetationsbedeckung kommt ebenfalls eine gewisse Bedeutung zu, allerdings eher als Rückkopplungseffekt (Genaueres s. Sahel-Dürre und Desertifikation und Klimawandel).





Tiefseeströmungen beeinflussen Klima in Westafrika


Forscher aus Deutschland und den USA haben beobachtet wie tiefe Strömungen das Oberflächenwasser des tropischen Atlantiks beeinflussen und wie sich das Klima an Land dadurch ändert.  Die Oberflächentemperatur des Ozeans ist ein bedeutender Faktor für die Niederschlagsschwankungen in Westafrika und der Wissenschaft schon lange bekannt. 3000 Meter unten im Ozean entscheiden die Tiefseeströmungen wieviel es an Land regnet. Dies haben die Wissenschaftler im Wissenschaftsjournal "Nature" beschrieben.

 

Die Forscher konnten jetzt nachweisen, dass es an der Oberfläche des tropischen Atlantiks vor der westfrikanischen Küste, noch nicht bekannte Temperatur- und Strömungsschwankungen gibt. Diese wiederholen sich alle viereinhalb Jahre. Ähnliche Schwankungen entdeckten die Wissenschaftler in den sogenannten Deep Jets (Tiefenströmungen mit Geschwindigkeiten von zehn bis zwanzig Zentimetern pro Sekunde), welche sich dem Äquator entlang durch den gesamten Atlantik erstrecken.


Der deutsche Wissenschaftler Peter Brandt vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) ist Mitautor der neuen Studie.



Quelle: Spiegel.de