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Ölpalme und Palmöl


Die Ölpalme (Elaeis guineensis) ist ursprünglich in den Regenwäldern von Westafrika beheimatet und war dort als Nutzpflanze bekannt. Erste Berichte über das Palmöl gelangten 1466 durch portugiesische Seeleute nach Europa. Die Pflanze selbst wurde erst 1763 wissenschaftlich beschrieben. 1848 kam die Ölpalme nach Asien, zunächst als Zierpflanze in Botanischen Gärten: je zwei Palmen aus dem Botanischen Garten von Amsterdam und von Réunion nach Bogor (Indonesien) und von da später weiter nach Singapur und Sumatra.


Die Ölpalme wächst langsam und der Stamm entwickelt sich erst wenn die Palme 3 bis 4 Jahre alt ist. Pro Jahr wächst sie 20 bis 60 cm in die Höhe. Der Durchmesser des Stammes variiert von 25 bis 75 cm. Die Palmen beginnen nach 4 bis 5 Jahren zu tragen. Die Ölpalme wird bis zu 30 Meter hoch und kann bis zu 200 Jahre alt werden. Die Ölpalme produziert riesige Fruchtstände (bis zu 50 Kilogramm) mit mehreren Hundert Früchten. Form, Farbe, Anzahl und Grösse der Früchte variieren stark von Palme zu Palme. Die Früchte werden etwa 3 bis 6 cm lang und sind nach 6 bis 9 Monaten reif. Reif sehen sie gelb, orange und schwarz aus. Das Fruchtfleisch ist faserig, ölig und nicht geniessbar. Der Kern ist weiss und ist von ein einem harten, schwarzen Mantel umschlossen. Einen Monat vor Reife bilden sich im Fruchtfleisch grössere Mengen an Karotin sowie Öltröpfchen. Der Ölgehalt ist am höchsten wenn sich die ersten Früchte aus den Trauben lösen und dann wird auch geerntet.


Mit der Einführung der industriellen Aufbereitung des Öls war das Verarbeitungsproblem der schnellverderblichen Früchte gelöst. Die Produzenten wagten sich daraufhin erstmals an grössere Plantagen.


Alte Grafik einer Ölpalme

 

Diese Grossplantagen müssen früher  noch vergleichsweise klein gewesen sein. Im Jahr 1970 betrug die globale Palmölproduktion nur etwa 1 Million Tonnen, so sind es heute ca. 42 Millionen Tonnen. Allein in den letzten 10 Jahren hat sich die Ernte verdoppelt. Dadurch verdoppelten sich auch die Anbauflächen mit nachteiligen Folgen für die Umwelt.


Das meiste Palmöl wird derzeit in zwei Ländern produziert. Dies sind Malaysia und Indonesien, welche sich seit Jahren ein Kopf an Kopf Rennen um die Marktführerschaft liefern. Gemeinsam schaffen sie über 85 Prozent der globalen Palmölproduktion. Indonesien produzierte im Wirtschaftsjahr 2008/09 rund 19,5 Millionen Tonnen, das sind 44 Prozent der Welternte, auf einer Fläche von 7,1 Millionen Hektar und Malaysia etwa 18 Millionen Tonnen auf 4,5 Millionen Hektar Plantagenfläche. Länder wie Kolumbien, Nigeria und Thailand mit zusammen ca. 800.000 Tonnen und 10 weiteren tropischen Ländern produzieren die restlichen 15 Prozent (6,5 Millionen Tonnen) des Weltmarktes. Die rasante Vergrösserung der Plantagenfläche und somit die Vernichtung von Millionen Hektar Regenwald wird weiter voran getrieben. Palmöl wurde in Westafrika schon vor Jahrhunderten genutzt, regional angepasst und relativ umweltverträglich. Die industrielle Herstellung und Grossplantagen wie wir sie heute kennen gab es nicht.


Das Palmöl hat nicht nur wegen seiner hohen Hektarerträge und der ehrgeizigen Expansionspläne der Hauptproduktionsländer Malaysia und Indonesien dem Sojaöl den Rang abgelaufen. Über 71 Prozent der globalen Palmölproduktion werden für Nahrungsmittel (Margarine, Küchenfett) verwendet. 21,5 Prozent werden für die industrielle Produktion von Reinigungsmitteln und Kosmetika verbraucht und in die energetische Nutzung (Biosprit) gehen derzeit 5 Prozent. Dieser Anteil wird sich in Zukunft wegen der verstärkten Beimengung von Bio-Alkohol in das Superbenzin noch erhöhen.


Die Früchte der Ölpalme sind schnell verderblich und müssen sofort nach der Ernte verarbeitet werden. Das verlangt ein funktionierendes Transportwesen. Heute geerntet, spätestens morgen in der Fabrik, wo die Fruchtstände mit Wasserdampf behandelt werden, um ein fettspaltendes Enzym zu zerstören. Anschliessend werden die Früchte gequetscht und Fruchtfleisch und Steinkerne getrennt. Das wegen seines hohen Carotingehalts orangefarbige Fruchtfleisch liefert das Palmöl CPO, der Kern das Palmkernöl PKO.


Palmöl ist also genau genommen zwei verschiedene Öle: das aus dem Fruchtfleisch gewonnene rohe Palmöl oder Palmfett (CPO - Crude Palm Oil) und das aus den Kernen gequetschte Palmkernöl (PKO - Palm Kernel Oil), die sich beide in den enthaltenen Fettsäuren stark unterscheiden. CPO besteht zu rund 80 Prozent aus Palmitin- und Ölsäure, während das Palmkernöl fast zur Hälfte aus Laurinsäure besteht - deshalb werden diese Öle in sehr unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Nicht vergessen werden darf das Palmkernmehl (PKM - Palm Kernal Meal), welches nach der Verarbeitung übrig bleibt und mit seinem Restölgehalt von 3 Prozent und fast 20 Prozent Eiweiss als Tierfutter Verwendung findet.


Ursprünglich wurde Palmöl hauptsächlich für Ernährungszwecke verwendet. Aufgrund seiner Hitze- und Oxidationsstabilität eignet es sich gut zum Kochen, Braten und Frittieren. In Asien und Afrika ist Palmöl heute noch das in der Küche meistgenutzte Öl. Palmöl wird auch von der Lebensmittelindustrie seit Jahren in grossen Mengen für die Herstellung von Backwaren, Margarine und Süsswaren verwendet. Die Palmölindustrie wird nicht müde, den Vorteil hervorzuheben, dass ihr Produkt kaum mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalte, die sich durch Erhitzen wie bei anderen Ölen in die bedenklichen trans-Fettsäuren verwandeln könnten.

Oelpalmenplantage.JPG


Alte Ölpalmenplantage in der Côte d'Ivoire

Oelpalme.jpg

Die Ölpalme ( Botanische Erklärung )



Die Ölpalme (Elaeis guineensis) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Palmenarten. Ursprünglich in Westafrika beheimatet, wird sie inzwischen auch im tropischen Amerika und  in Südostasien kultiviert.


Die bis zu 30 Meter hohe Palme produziert Fruchtstände mit einem Gewicht von bis zu 50 Kilogramm. Die Palme trägt 3000 bis 6000 Früchte.


Die Früchte sind schnell verderblich und müssen daher sofort nach der Ernte verarbeitet werden. Dabei werden die Fruchtstände mit Wasserdampf behandelt, um ein fettspaltendes Enzym zu zerstören. Anschliessend werden die Früchte gequetscht und die Steinkerne abgetrennt. Die harte Schale wird geknackt und die Samen werden getrocknet. Das durch einen hohen Carotingehalt orangefarbige Fruchtfleisch liefert das Palmöl, der Samen das Palmkernöl.



Merkmale:

Die Ölpalme ist eine einhäusig getrenntgeschlechtige (monözische) Palme. Die Chromosomenzahl beträgt 2n =


Wurzeln:

Die primären Wurzeln streichen in einer Tiefe von 20 bis 60 cm horizontal im Boden. Ein kleiner Teil dringt bis in mehrere Meter Tiefe vor. Ein Teil der Seitenwurzeln erster Ordnung wächst negativ gravitrop nach oben und bilden direkt unter der Bodenoberfläche ein dann horizontales, stark verzweigtes Wurzelsystem. Die höchste Wurzeldichte wird in zwei bis drei Metern Entfernung von Stamm erreicht. Die Nährstoffaufnahme erfolgt vorwiegend von den unverholzten Seitenwurzeln dritter Ordnung, die rund einen Zentimeter lang und 0,5 mm dick sind. An erwachsenen Palmen finden sich häufig Luftwurzeln, die den Stamm bis in einen Meter Höhe bedecken können.


Stamm:

Der Stamm entwickelt sich, wenn die Palme 3 bis 4 Jahre alt ist und hat einen Durchmesser von 25 bis 75 cm. Das jährliche Höhenwachstum liegt zwischen 20 und 60 cm. Ab einem Alter von etwa 15 Jahren fangen an der Palme an, die Blattstümpfe abzufallen. Erst dann wird der eigentliche Stamm sichtbar. Ab einer Stammhöhe von 20 bis 30 m Höhe stellen sich Alterserscheinungen ein, die Fruchtproduktion geht zurück, die Blätter werden kleiner. Die Palme stirbt dann recht plötzlich ab. Sie kann ein Alter von 200 Jahren erreichen.


Blätter:

An der Jungpflanze sind die ersten sieben Blätter lanzettlich. Die nächsten paar Blätter sind an der Spitze der Spreite gespalten, die nächsten dann mehr und mehr gefiedert. Die Anzahl der Fiedern pro Blatt nimmt bis ins Alter von 12 oder 15 Jahren zu. Unter konstanten Wachstumsbedingungen ist das jeweils nächste Blatt länger und hat mehr, breitere und längere Fiederblättchen. Vom Erscheinen der Blattanlage am Vegetationskegel bis zur Ausbildung des Blattes vergehen bei ausgewachsenen Palmen rund 2 bis 2,5 Jahre. Unter günstigen Bedingungen bildet eine Palme pro Jahr 25 bis 35 Blätter, bei Trockenperioden nur rund 20. Die Blätter können bis 7,5 m lang sein. Sie verbleiben etwa zwei Jahre an der Palme, bevor sie absterben. Sie brechen ab und am Stamm verbleibt die Blattbasis. In deren Achseln sammeln sich Staub, Pflanzenreste und Samen, sodass sich hier etliche Epiphyten ansiedeln.


Blütenstand und Blüten:

Der Blütenstand besteht aus einer etwa 5 bis 10 cm dicken Blütenstandsachse, an der spiralig etwa 200 Seitenachsen stehen, die Ähren. Ein Blütenstand trägt entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten. Bei jungen Palmen kommen auch gemischte Blütenstände vor.

Bei weiblichen Blütenständen stehen die Ähren in den Achseln von dornigen Deckblättern. Der lange Dorn bleibt auch am reifen Fruchtstand erhalten. Männliche Ähren sind länger als weibliche, ihre Deckblätter tragen aber keine Dornen. Eine einzelne Ähre trägt 700 bis 2000 Blüten, ein Blütenstand besteht aus 150.000 bis 200.000 Blüten. Die weiblichen Blüten haben einen dreifächrigen Fruchtknoten mit je einer Samenanlage. In jeder Achsel eines Laubblattes bildet sich eine Anlage zu einem Blütenstand. Bei ausgewachsenen Palmen benötigt der Blütenstand etwa zwei Jahre zur Entwicklung. Bis zwei Wochen vor der Anthese ist er von zwei Hochblättern verhüllt.


Früchte und Samen:

Die Früchte sind etwa 5,5 bis 9 Monate nach der Bestäubung reif. Einen Monat vor der Reife werden im Fruchtfleisch Öltröpfchen und Carotine gebildet. Die zunächst harten Früchte werden weich. Der Ölgehalt ist dann am höchsten, wenn sich die ersten Früchte vom Fruchtverband ablösen. Dies ist auch der Erntezeitpunkt. Die Steinfrüchte sind 3 bis 6 cm lang und 2 bis 4 cm breit. Sie wiegen rund 20 g. Das Exokarp, die äussere Schale, ist dünn. Das Fruchtfleisch (Mesokarp) ist fasrig und besteht zu 45 bis 50 % aus Öl. Durch die Carotine ist das Fruchtfleisch gelb bis rötlich. Innerhalb der Steinschale (Endokarp) befindet sich der meist einzelne Samen, der 48 bis 52 % Öl enthält. Die Ölpalmen sind sehr variabel in Bezug auf Form, Farbe, Anzahl und Größe der Früchte, sowie in Anzahl und Grösse der Fruchtstände. Afrikanische Dura-Palmen liefern im Schnitt etwa 18 kg Früchte, ostasiatische Deli-Palmen etwa 25 kg. Ein Fruchtstand enthält 800 bis 4000 Früchte.


Keimpflanze:


Das Keimpflanzenstadium dauert etwa zwei Monate. Zunächst erscheinen die Keimwurzel und das Keimblatt durch eines der drei Keimlöcher in der Schale. Das Ende des Keimlingsstadiums wird mit der Bildung des sechsten Blattes angesetzt. Bis dahin lebt die Pflanze praktisch nur von den Nährstoffen des Endosperm. Die Keimwurzel (Radicula) wird bis zu 20 cm lang. An ihrer Ansatzstelle bildet sich ein Kranz von dünnen Adventivwurzeln. Das erste, noch ungefiederte Laubblatt erscheint rund einen Monat nach der Keimung. Wenn die erste primäre Wurzel gebildet wurde, stirbt die Keimwurzel ab.

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Ölpalmen-Früchte nach der Ernte

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Ölpalmen-Früchte vor dem  Kochen auf einer Feuerstelle

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Palmnussfasern