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Geschichte    Sklavenhandel






Sklavenhandel in Westafrika


Die Sklaverei und der Handel mit Sklaven gehört zu den schlimmsten Verbrechen und richtet sich gegen jede Art von Menschenwürde und Menschenrechte. Schon in vielen alten Kulturen hat es das Halten von Sklaven als sogenannte "Haussklaven" gegeben. Diese waren dann ein sehr grosser wirtschaftlicher Nutzen für die Sklavenhalter. Zumeist waren sie ihr ganzes Leben "Unfrei" und durften auch nur untereinander heiraten sowie Familien Gründen. In grösseren Mengen wurden die Sklaven in vielen alten Hochkulturen gehalten. Dort mussten sie z.B bei grössern Bauprojekten dienen.


Mitte des 15.Jahrhunderts begannen die Portugiesen die Küsten Westafrikas abzufahren um nach Gold zu suchen. Einträglicher war aber der Handel mit Sklaven. Diese wurden vom Hinterland des heutigen Nigeria an die "Sklavenküste" (Zwischen Volta und Nigerdelta), gebracht. Von dort brachte man sie an die Häfen der "Goldküste" (heutiges Ghana), und wurden dort gegen Gold eingetauscht. Zum einen wurden die Afrikaner geraubt, andererseits aber auch von ihren Häuptlingen und Königen verkauft. Auch einige Machthaber in Westafrika, wie den Herrschern über das Königreich Dahomey (heutiges Benin), profitierten davon.


Am transatlantischen Sklavenhandel von Westafrika nach den amerikanischen Staaten, vom 16. bis 19. Jahrhundert, waren viele europäische Nationen beteiligt. Vor allem waren dies die Briten, Franzosen, Spanier, Portugiesen und Niederländer. Der Sklavenhandel wurde zu einem lukrativen Handel. Der Sklavenhandel wurde mit einer wirtschaftlichen Notwendigkeit begründet und führte dazu, dass die gesamte Wirtschaft im nordamerikanischen Bereich und der Karibik von der Versorgung mit Sklaven abhing.


Für die Sklaven bekamen die Häuptlinge aus Westafrika von den Europäern Textilien, Gewehre, Schiesspulver, Alkoholische Getränke, Tabak und Glasperlen. Die Plantagenbesitzer in Übersee bezahlten die europäischen Sklavenhändler wiederum  mit ihren Erzeugnissen aus Zucker, Tabak, Baumwolle, Gewürze und Kaffee.


Wie viele Afrikaner vom 16. bis 19. Jahrhundert aus Westafrika versklavt wurden, ist heute nicht mehr ganz zu ermitteln. Die Schätzungen liegen bei ca. 10 Millionen Menschen, könnte aber noch höher gewesen sein. Die meisten Sklaven wurden aus den Küstenbereichen, vom heutigen Nigeria bis an die Elfenbeinküste, in die "Neue Welt" transportiert. Dabei starb bereits auf der Überfahrt in die amerikanischen Staaten" ein Grossteil der versklavten Menschen. Da die Schiffe nicht sehr gross waren wurden die Sklaven unter sehr schlechten Bedingungen dicht unter Deck gedrängt.


Nach einem Beschluss von 1772 sollten alle Sklaven in Grossbritannien befreit werden. 1792 gelang es in Freetown (Sierra Leone) eine eigene Kolonie von ehemaligen Sklaven zu gründen. Freetown wurde dann zum Marinestützpunkt gegen den Sklavenhandel aus Westafrika. Sierra Leone wurde schliesslich im Jahr 1808 zur Kolonie der englischen Krone ernannt.


Aus den westafrikanischen Staaten Gambia und Senegal wurden während des afrikanischen Sklavenhandels, zwischen den Jahren 1700 und 1850, schätzungsweise 427.000 Sklaven verschleppt. Zentrum des gambischen Sklavenhandels war die Insel James Island im Gambia-Strom. Dort lag eine Festung mit dem  Hauptumschlagplatz für Sklaven. Zuvor war die Insel in der Hand von Portugiesen, welche diese dann 1651 an den deutschen Herzog von Kurland verpachtet hatten. Relativ schnell verkaufte der Herzog die Insel Holländer. 1661 eroberten die Briten James und bauten dort ihr Fort. Zweimal eroberten die Franzosen die Insel. Der Vertrag von Versailles 1763 schrieb dann die britischen Rechte an Gambia fest.


1807 wurde der Sklavenhandel von Grossbritannien verboten. 1808 wurde auch in den USA der Sklavenhandel verboten. Dies führte dann 1837 zum Sklavereiverbot in den nördlichen Staaten der USA. In den Südstaaten der war jedoch die Haltung der Sklaven noch erlaubt. Auch in den englischen Kolonien bis 1834. Grossbritannien versuchte nach dem Verbot der Sklaverei andere Nationen am Handel mit Sklaven in der Nähe des Gambia-Flusses zu hindern.







Sklaven an Deck eines Schiffes


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Sklaventransport

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Alte Grafik eines Sklavenschiffes

Urteil des Richters William Mansfield vom 22. Juni 1772


Der Rechtsanwalt Granville Sharp hatte seinen grössten Erfolg als er den Fall des jungen Schwarzen James Somersett übernahm. Dieser hatte bei ihm Beistand gesucht. Sommersett war ein Sklave der in den nordamerikanischen Kolonien von seinem Eigentümer eingesperrt wurde. Dieser sogenannte Eigentümer beharrte auf sein Recht, wie er es als Herr über die Sklaven damals üblich war. Granville Sharp zog für seinen Schützling vor Gericht. Der damals zuständige Richter, William Earl of Mansfield fällt ein bis dahin aufsehenerregendes Urteil:

"Die Sklaverei ist ein naturwidriger Zustand, der in England nicht gültig sein kann, der weder durch moralische noch politische Gründe gerechtfertigt werden kann, es sei denn es gäbe ein Gesetz aus alter Zeit, das uns dazu zwänge, sie zu ertragen. Doch ein solches Gesetz existiert nicht in England, und deshalb muss James Somersett freigelassen werden."


Mit dem Urteil vom 22. Juni 1772 machte Richter William Mansfield Geschichte, als zum ersten Mal der Sklavenhandel für ungesetzlich erklärt wird. Mit der Magna Charta aus dem Jahre 1215, war es ein Prinzip des Common Law, dass die Gerichte jede ungesetzliche Beschränkung der Bewegungsfreiheit aufzuheben hatten, da nur auf Grundlage eines gesetzlichen Richterspruchs ein Mensch seiner Freiheit beraubt werden konnte. Dieser Fall gilt als die endgültige juristische Ächtung der Sklaverei in England.  Wenige Jahre später folgte mit dem gleichen Ergebnis auch Schottland. Das Urteil eines einzigen Richters genügte um eines der schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu beenden.





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      William Mansfield                         Granville Sharp


Geschichte des Sklavenhandels in Westafrika



Aufteilung des Sklavenhandels



Anfang des Sklavenhandels durch Portugal


Am Anfang des 15. Jahrhunderts suchte der portugiesische Prinz "Heinrich der Seefahrer" einen Seeweg nach Indien, um von dem aufkommenden Gewürzhandel zu profitieren. Die Expeditionen zur Erforschung der westafrikanischen Küste waren langwierig und teuer. Durch das Plündern von Küstendörfern konnten die Kosten nicht gedeckt werden. Schliesslich verschleppten die Portugiesen Einheimische, um Lösegeld zu erpressen, wie man es früher schon mit den benachbarten Mauren gemacht hatte. Da die Geiselauslösung mit weit entfernten Ländern nicht funktionierte, wurden die Gefangenen später als Sklaven verkauft. Ein Fünftel des jeweiligen Verkaufserlöses gehörte Prinz Heinrich.

Als Grossmeister des Christusordens hatte Heinrich der Seefahrer gute Kontakte zu Papst Nikolaus V. Mit den Bullen Dum Diversas (1452) und Romanus Pontifex (1455) wurde es erlaubt, Heiden zu versklaven und ihren Besitz zu nehmen. Somit hatten die christlichen Portugiesen eine moralische Rechtfertigung für ihre Geschäfte. Zuerst hatte Senegal eine grosse Bedeutung für den Sklavenhandel. Später nahmen die Portugiesen an der Goldküste intensive Handelsbeziehungen mit den dortigen Reichen auf. In Elmina wurde 1482 das Fort São Jorge da Mina errichtet, welches zu einem wichtigen Handels- und Militärstützpunkt wurde, an dem auch mit Sklaven gehandelt wurde.


Asiento de Negros


Europaweit bezeichnete man zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert mit den Asiento de Negros (wörtlich: Vertrag über Schwarze), den Vertrag über die Einfuhr afrikanischer Sklaven in das spanische Amerika.

Den Vertragsinhalt der Asiento de Negros war der Versuch das Problem des Arbeitskräftemangels in Spanisch-Amerika über den Import von Sklaven zu lösen und gleichzeitig das System des Monopolhandels mit den eigenen Kolonien aufrechtzuerhalten. Mit der Zeit der Asiento de Negros gab es je nach Vertragspartner und internationaler politischer Konjunktur zahlreiche Neuerungen.

Der Asiento de Negros wurde für einen Zeitraum zwischen 5 und 30 Jahre geschlossen und erlaubte die Einfuhr von ca. 4000–5000 Sklaven jährlich. Die Anzahl der Sklaven wurde entweder pro Kopf, in "Pieza de India" oder nach der Grösse der Schiffe in Tonnen (gerechnet wurden drei "Piezas de India" auf eine Tonne) angegeben, so dass die Zahl der tatsächlich beförderten Menschen schwankte. Wegen der hohen Sterblichkeit der Sklaven während der Überfahrt, war es zwischen den Vertragsparteien erlaubt, über die eigentlich vereinbarten Kontingente hinauszugehen. Auch nach Ende der Vertragslaufzeit wurden Sklaven (zwischen 20 % und 40 % über der vereinbarten Anzahl) nach Amerika gebracht. Der Vertrag legte auch die anzulaufenden Häfen in Westafrika, Europa und Amerika fest.


Sklavenhandelszentren in Westafrika


In den Gebieten des heutigen Mauretanien und Sierra Leone sicherte sich Frankreich mit der  "Compagnie francaise des Indes" das 1. Monopol im Sklavenhandel. Die Holländer herrschten im Gebiet der heutigen Côte d'Ivoire "Elfenbeinküste" als erste mit verschiedenen Handelszentren.

Entlang der sogenannten "Goldküste" reihten sich 23 Forts: 13 holländische, 9 englische und ein dänisches.

Die sogenannte "Sklavenküste“ als zweites Monopol, bestand aus den Gebieten der heutigen Staaten von: Ghana, Benin und Togo.

Das 3. Monopol im Gebiet des heutigen Nigeria, zwischen der Ossé Mündung und Kamerun, wurde von den Engländer beansprucht. In diesem Gebiet gab es aber auch immer wieder Rivalitäten mit Frankreich.

Um ihre Schiffe voll auszulasten versorgten sich die Sklavenhändler auch in verschiedenen Regionen. Einige Gebiete in Westafrika waren so stark entvölkert, dass die Händler bis nach Angola und Mozambique auswichen. Teilweise war auch Ostafrika davon betroffen.



Sklavenhandel an der westafrikanischen Küste



Auswirkungen des Sklavenhandels in Westafrika


Durch den Sklavenhandel floss auch sehr viel Geld in die Kassen von Regierungen Königen und auch der Kirchen in Europa. Der Sklavenhandel wurde somit auch von den Kirchen abgesegnet. Von den Afrikanern in Westafrika die mit den Europäern Handel trieben wurde das vorgehen nicht verstanden. Durch die entstandene Dezimierung der heimischen westafrikanischen Bevölkerung entstand Hass und eine grosse Feindschaft gegen die "Weissen", welche zuvor unbekannt war. Einige westafrikanische Herrscher gelangten zu Reichtum und sie kamen auch an die Waffen der Europäer, worauf es zu Machtverschiebungen unter den Afrikanern kam. Daraus resultierend änderte sich auch die politische Landkarte Westafrikas.


Der Dreieckshandel

Der Sklavenhandel war eine Unternehmung, mit einem Schlag die drei dringendsten Probleme der expandierenden Wirtschaft Europas und seiner Kolonialpolitik zu lösen. Der Sklavenhandel war eine Möglichkeit die weissen Plantagen- und Grubenbesitzer Amerikas mit billigen Arbeitssklaven zu versorgen. Er bescherte den europäischen Metropolen nicht nur exotische Güter, sondern vor allem auch billige Rohstoffe in Hülle und Fülle. Zudem eröffnete er den europäischen Manufakturen neue Absatzmärkte für ihre Fabrikate.

Die grossen Unternehmer des Sklavenhandels, europäische Schiffsreeder und Bankiers erfanden zu diesem Zweck den berüchtigten "Dreieckshandel". Ihre Schiffe brachten Baumwolle, Alkohol und Waffen an die Küste Westafrikas. Dort tauschte man die erwähnten Waren gegen Sklaven ein und brachte diese über den Atlantik. In der Karibik und in den Südstaaten von Amerika verkaufte man die Sklaven an die dortigen Plantagenbesitzer.

Mit dem Erlös handelte man vor allem Zucker und Baumwolle und brachte diese Rohstoffe nach England, Frankreich oder Dänemark, wo sie zu Rum und Textilien verarbeitet wurden. Damit schloss sich das Dreieck zu einem wahren Teufelskreis, in welchem fortlaufend Waffen, Alkohol und Baumwolle in Sklaven, Sklaven in Zuckerrohr und Baumwolle, Zucker und Baumwolle in Rum und Textilien und diese samt Waffen wieder in Sklaven verwandelt wurden. Die an der Sklavenjagd beteiligten afrikanischen Häuptlinge, die Zuckerrohr- und Baumwollpflanzer in Übersee sowie Fabrikanten, Reeder und Sklavenhändler im christlichen Abendland profitierten von dem Handel.



Deutschland und der Sklavenhandel mit Westafrika



Bremen


Bremer Kaufleute und Geistliche der "Norddeutschen Mission" zogen ab dem Jahr 1850 aus Gewinnsucht und Abenteuerlust auf den afrikanischen Kontinent. Handelshäuser, Kirchen und andere Gebäude wurden dort von den afrikanischen Sklaven errichtet. Die Bremer Kaufleute handelten mit Baumwolle, Kokosfett und Alkohol. Ihr benötigtes Personal kauften sie günstig bei den Sklavenhändlern in Westafrika ein.

Auch viele norddeutschen Missionare kauften bei Menschenhändlern. Die Sklaven mussten ohne Bezahlung für ihre Herren arbeiten, bis sie ihren Kaufpreis erwirtschaftet hatten. Danach wurden sie meistens frei gelassen. Die Bremer Kaufleute hatten keine eigenen Sklavenschiffe.

Im Umkreis um die Missionsstationen in Ghana und Togo kauften die Männer der Kirche billige Sklavenkinder ein, um ihnen nach einer gewissen Zeit die Freiheit zu schenken. Doch zuerst hatten die Kinder afrikanischen Kinder für die Missionare schuften. Sie waren von ihren Familien, denen sie geraubt wurden, oft sehr weit entfernt. Nach dem 1. Weltkrieg im Jahr 1918 verloren die Deutschen auch ihre Kolonien. Mit der Sklaverei unter den Deutschen wurde auch ein trauriges Kapitel der Bremer Kolonialgeschichte beendet.


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