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Kakaoanbau in Westafrika


Als Kakao oder Cacao bezeichnet man die Samen des Kakaobaumes (Kakaobohnen) sowie das daraus gewonnene Pulver. Ebenfalls  als Kakao bezeichnet man ein aus Kakaopulver zubereitetes, welches oft unter Zugabe von Milch und Zucker hergestellt wird. Kakao ist ein wichtiges Exportprodukt zahlreicher westafrikanischer Länder und der Grundstoff bei der Herstellung von Schokolade.


Das Wort Kakao stammt aus dem Mixe-Zoque und ist über die Mayasprachen ins Aztekische und von dort ins Spanische gelangt, von wo es wiederum seinen Weg in die europäischen Sprachen genommen hat.


Obwohl die Kakaopflanze wahrscheinlich aus Südamerika stammt, beginnt die Geschichte des Anbaus in Mittelamerika. Im 18. Jahrhundert wurde der Kakaoanbau in die Karibik und in die niederländischen Kolonien in Südamerika ausgeweitet.


Um 1900 war die von Portugal beherrschte Inselgruppe São Tomé und Príncipe grösster Kakaoproduzent der Welt.


Obwohl mittlerweile die Sklavenhaltung in allen relevanten Anbauländern verboten war, sorgten Berichte über das inoffizielle Fortbestehen von sklavereiähnlichen Bedingungen in São Tomé und Príncipe für Aufsehen in der Schokoladenindustrie. Dies führte zu einem Boykott des Kakaos aus São Tomé und Príncipe durch Cadbury und weiteren grossen englischen Schokoladeherstellern.


Die Hauptanbaugebiete haben sich inzwischen von Mittelamerika nach Afrika verlagert. Das Land mit der grössten Kakaoproduktion der Welt ist die westafrikanische Côte d'Ivoire mit über 1,4 Mio. Tonnen Kakaobohnen und 34,2 % der weltweiten Ernte des Jahres 2006. Die Gesamtproduktion betrug in diesem Jahr fast 3 Mio. Tonnen.


Liste der grössten Kakaoproduzenten (Kontinente)

2013-2016


Kakao-Sorten


Forastero

Der Forastero-Kakao wird auch als Konsumkakao bezeichnet. Weltweit wird der Forastero-Kakao Anteilig in den meisten Schokoladenprodukten verwendet. Die grössten Anbaugebiete des Forastero-Kakaos befinden sich in Westafrika und dort hauptsächlich in der Côte d'Ivoire, aber auch in Ghana und Nigeria. Der Forastero-Kakao ist eine widerstandsfähige und ertragreiche Sorte. Daher beherrscht er den Weltmarkt zu 80 Prozent.


Trinitario

Durch einen Zufall entstand der Trinitario-Kakao als Kreuzung aus dem Forastero und dem edlen Criollo. Als auf der karibischen Insel Trinidad einmal ein Hurrikan über eine Criollo-Plantage hinweggefegt war, ersetzten die Kakaobauern die zerstörten Pflanzen mit Forastero-Kakao. Dadurch kreuzten sich beide Sorten und die Vorteile der zwei Sorten vereinten sich. Trinitario ist deshalb ertragreicher als der Criollo und schmeckt wesentlich besser als Forastero. Der Weltmarktanteil von Trinitario-Kakao beträgt heute ca. 15 Prozent.


Criollo

Der Criollo-Kakao ist die edelste Kakaosorte der Welt.  Der Kakao schmeckt besonders mild und besticht durch eine besonders aussergewöhnliche Aromenvielfalt. Criollo macht weniger als ein Prozent der Kakao-Welternte aus und wächst überwiegend in Venezuela und Kolumbien. Als beste Kakaosorte der Welt gilt der Porcelana, einer Unterart des Criollo-Kakaos.

Kakaobutter


Kakaobutter wird durch Abpressen gewonnen. Durch filtrieren und zentrifugieren wird das Fett aus den Kakaokernen oder Kakaomasse gelöst. Die Kakaobohnen werden geröstet. Danach werden sie durch erhitzte Walzen zu Kakaomasse gemahlen. Die entstandene Masse ist im warmen Zustand zunächst zähflüssig, erstarrt aber dann beim Abkühlen. Die gewonnene Kakaomasse dient als Rohmaterial um Schokolade, Kakaopulver oder Kakaobutter herzustellen. Um diese Kakaobutter herzustellen wird die Kakaomasse nun durch eine spezielle Fettpresse gedrückt, um das darin enthaltene Fett von den anderen Bestandteilen zu trennen. Durch das Pressen entsteht ein sogenannter Pressrückstand (Kakaopresskuchen), welcher dann zu Kakaopulver weiterverarbeitet wird. Auch bleibt dabei noch die gewünschte Kakaobutter übrig. Diese Kakaobutter wird dann je nach Verwendungszweck  anschliessend noch raffiniert.

Kakaoanbau in Ghana


Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die ersten Kakaopflanzen nach Westafrika gelangt. Bis 1911 stieg Ghana, die damalige Goldküste, zum weltweit wichtigsten Produzenten von Rohkakao auf. Noch heute machen die Kakaoeinnahmen einen grossen Teil der Gesamtexporterlöse dieses Landes aus.


Von den ca. 800.000 als Bauern oder Pächter gemeldeten Ghanaern sind 460.000 Kakaofarmer. Ghana bestreitet mit dem Kakaoanbau 70 Prozent seiner Exporterlöse. Die vielen Kleinbauern in Ghana bewirtschaften durchschnittlich 1,5 bis 3,5 Hektar Land.


Ganzjährig sind im Kakaoanbau nur relativ wenige Menschen ausreichend beschäftigt, während in den wenigen Erntemonaten Hunderttausende, zumeist ErnteHelfer nötig sind. Es gibt zwei Kakaoernten pro Jahr, eine Haupternte (Oktober bis Februar) und eine kleine Ernte (zwischen Mai und August). Die Ernte der Kakaofarmer in Ghana geht an die staatliche COCOBOD, die den Export der Bohnen betreibt.


Derzeit bekommen die Kakaobauern  in Ghana ca. 40 % des Weltmarktpreises, den Rest bekommt der ghanaische Staat zur Rückzahlung von Krediten an die Weltbank. Wie auch in der Côte d'Ivoire, leiden auch die Kakaobauern in Ghana unter dem Verfall der Weltmarktpreise.


Eine eigene Kakaoindustrie mit Lagerhäusern gibt es bis auf zwei Kakaoverarbeitende Fabriken in Ghana nicht.



Kakaoanbau in der Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste)


Die Preise für Kakao schwanken stark und bieten den Bauern in der Côte d'Ivoire kein festes Einkommen


In Westafrika sind ca. 1,2 Millionen Kleinbauern mit ihren Familien abhängig von ihren empfindlichen Kakaobäumen, welche nur unter tropischer Hitze wachsen und gedeihen. Sie sind daher  besonders anfällig für Pflanzenschädlinge. Das kann immer wieder zu Ernteausfällen führen und hohe Kosten für Pestizide und grosse Mengen an Wasser. Verursachen.


Für diese mühevolle Arbeit erhält der Kleinbauer in der Côte d'Ivoire nur ein Drittel des Exportwertes der Kakaobohnen. In Ländern wie Ghana ist dieser Wert meist höher, weil hier nicht so viel von Zwischenhändlern, Rebellen und korrupten Beamten abgenommen wird. In vielen Fällen reicht der Gewinn nicht einmal für den Kauf von Pflanzenschutzmitteln. So sind die Bauern gezwungen bei den Erntehelfern zu sparen. Wenn die Eltern zu wenig verdienen, müssen die Kinder mithelfen.


Die politische Situation in der Côte d'Ivoire verschärft die Situation der Bauern und Arbeiter auf den Plantagen. Bis 2007 herrschte in dem Land noch Bürgerkrieg. Nach einer nicht veröffentlichten Studie der Vereinten Nationen sollen seit 2005 grosse Mengen des Kakao aus der Côte d'Ivoire nach Togo geschmuggelt worden sein um die Bewaffnung von Rebellen zu finanzieren.


Ein fast nicht durchzuschauendes Handelssystem, das in den Ländern Westafrikas herrscht, bestimmt den Weg der Kakaobohne,bis hin zur Schokolade. Sehr häufig verdienen die Zwischenhändler am Kakao. In der Côte d'Ivoire sammeln die sogenannten Pisteurs bei den Kleinbauern den Rohkakao ein und bringen ihn zu den Händlern. Es gibt auch Bauern die sich zu Genossenschaften zusammengeschlossen haben. Der Verkauf an die Exporteure geht dann über die Genossenschaften. Garantierte Mindestpreise gibt es in nicht.


Was gezahlt wird, hängt vom Weltmarktpreis ab, der an den Handelsbörsen in London und New York festgelegt wird. Wegen einer Epidemie, die sehr viele Pflanzen vernichtete, fielen die Ernten schlechter aus. Banken, Fonds und private Zocker hatten den Preis zwischenzeitlich auf über 3500 Dollar pro Tonne hochgetrieben.









Kakaoernte in der Côte d'Ivoire


Wie bereits vor 500 Jahren werden auch heute noch bei der Kakaoernte die reifen Früchte von Hand mithilfe eines scharfen Messers abgeschlagen.


Die Früchte werden bei der Kakaoernte zunächst auf Sammelplätzen gelagert und dann mit einem Messerschlag geöffnet. Nach dem Öffnen der Früchte lösen die Arbeiter die Samen, die von einer weissen Substanz umgeben sind, aus der Schale. Die Samenkerne durchlaufen an-schliessend einen Gärungsprozess, erst dann gewinnt man den wertvollen Rohkakao. Die nach der Ernte für zehn Tage gegorenen Kakaobohnen erhalten nun ihre typische braune Farbe und das entsprechende Aroma. Die Bohnen lässt man kurz ankeimen und absterben. Während des Gärprozesses oder der Fermentation erwärmen sich Bohnen und das Fruchtfleisch, wodurch sich die weisse Substanz verflüssigt und von den Bohnen ablöst. Dann werden die Kakaobohnen getrocknet.


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Forastero-Kakaobohnen in der Côte d'Ivoire

Dazu breiten sie die Arbeiter in der Sonne aus für ungefähr zwei Wochen. Die Bohnen verlieren nahezu die Hälfte ihres Gewichts. Der Gärprozess ist beendet. Wenn die Kakaobohnen genügend getrocknet wurden, besitzen sie nur noch einen Wassergehalt von bis zu 7 Prozent. Erst nach dem Trocknen lädt man die Bohnen in Säcke und transportiert sie in die verarbeitenden Länder. Aus den Bohnen wird dann die Kakaomasse hergestellt, aus der zum Beispiel in verflüssigter Form Schokolade produziert wird.


Als Kakao bezeichnet man ganz allgemein die Samen des Kakaobaumes und das daraus gewonnene Pulver. Eine andere Bezeichnung ist auch Kakaobohne. Der Kakao ist heute ein wichtiges Exportmittel. Das Wort Kakao stammt ursprünglich aus der Aztekensprache. Der Kakaobaum ist eine Wärme liebende Pflanze, deshalb wird er vorwiegend in den Ländern um den Äquator angebaut. Vormals hauptsächlich in Mittelamerika angebaut, verlagerte sich der Kakaoanbau nach Afrika. Die Côte d'Ivoire ist derzeit weltweit führend in der Produktion von Kakao.





Meldungen


12.2016

Schlechte Zwischenernte in Westafrika

Nach Angabe von Experten sinken die Kakaopreise wieder. Mit einem besonders hohen Kakaopreis kämpften in diesem Jahr die Schokoladenhersteller. Eine schlechte Zwischenernte in Westafrika trieb die Preise für Kakaobohnen stark nach oben.

Ein Sprecher des Schokoladenherstellers Ritter Sport berichtet auch von hohen Preisen für Haselnüsse. Neben Kakao seien vor allem Nüsse der grosse Kostentreiber.Das Schokoladengeschäft sei aber eines mit sehr geringen Margen, vom Umsatz bleibe also wenig Gewinn. In diesem Jahr hätten sie ihre Nusstafeln deswegen ausgegliedert, sie würden etwas teurer verkauft. Von hohen Kakaopreisen berichteten auch die Schweizer Lindt & Sprüngli und der Hersteller Rübezahl aus Baden-Württemberg. 70 Prozent der weltweiten Kakaoernte stammten aus Westafrika, etwa von der Côte d'Ivoire und aus Ghana. In der Côte d'Ivoire war die Zwischenernte, die im Frühjahr begonnen hatte, wegen Trockenheitetwa 40 Prozent schlechter ausgefallen. So fiel der Kakaopreis in London sogar auf ein Drei-Jahres-Tief von rund 1700 Pfund je Tonne.


Côte d’Ivoire 29.08.2016

Leichte Regenfälle stimmen Bauern grösstenteils optimistisch

Leichte Regenfälle in der Hauptanbauregion des weltgrössten Kakao-Produzenten Côte d'Ivoire haben Farmer zu Optimismus stimuliert, in anderen Teilen herrscht Angst, dass die Pflanzen von Parasiten befallen werden könnten, berichtet Reuters im August. Die Bauern sagten, dass der leichte Regenfall das Wachstum der Bohnen beflügele. Andere Bauern bemängelten, dass es nicht genug Sonnenschein gebe, dies steigere die Gefahr von Parasitenbefall.


Côte d’Ivoire 18.07.2016

Bis zum 30. Juni sind 1.394.982 Tonnen Kakao in den Häfen gelagert

Bis zum Stichtag 30. Juni sind nach einem Reuters-Bericht 1.394.982 Tonnen Kakao in den Häfen gelagert und dies liegt unter dem Vorjahreswert von 1.548.523 Tonnen, berichtet Reuters im Juli. Exporteure hätten die Menge kürzlich auf 1.412.000 Tonnen geschätzt. Die jetzt unterhalb liegende Zahl gehe auf die Daten des Kaffee- und Kakaorat (frz. Conseil Café Cacao) zurück.


08.2016

Kakaobohnenpreise von 2013 bis 2016

Im August 2013 kostete eine Tonne Kakao durchschnittlich rund 2.483 US-Dollar. Während der Ebola-Krise 2014 stiegen die Preise für den Agrarrohstoff stark an, da die wichtigsten Anbaugebiete für Kakao in Westafrika liegen. Nach einer zwischenzeitlichen Atempause im Herbst/Winter 2014/15 zogen die Preise ab dem Frühjahr 2015 wieder deutlich an und verharren aktuell auf hohem Niveau. Ursachen sind globale Angebotsdefizite.

Die Internationale Kakaoorganisation ICCO hat ihre Prognose für die letzte Saison in einen kleinen Überschuss gewandeltt. Für die laufende Saison 2015/2016 hat sie ihre Defizitprognose nach oben revidiert und erwartet das die Produktion 180.000 Tonnen unter dem Verbrauch bleibt. Bereits im letzten Jahr war die Produktion gegenüber der Rekordernte 2013/2014 um 3 Prozent gesunken, nun geht es nach Angaben von ICCO nochmal 5 Prozent herunter.

Hauptgrund sind die schwachen Ernten in Westafrika. Dort haben insbesondere die Bohnen zur Zwischenernte, der kleineren der beiden jährlichen Ernteperioden, stark unter den heftigsten Wüstenwinden (»Harmattan«) seit Jahrzehnten gelitten. Und dabei ist die ICCO eher noch optimistisch. Sie hat für die Ernte 2015/2016 der Côte d'Ivoire 1,65 Millionen Tonnen eingestellt, womit das Niveau 8 Prozent unter dem Vorjahr läge. Das ivorische Kaffee- und Kakaoboard äusserte aber die Befürchtung, dass die Produktion unter 1,6 Millionen Tonnen liegen könnte. Hinzu kommen Qualitätsprobleme. So sind die Bohnen häufig zu klein, um den Anforderungen beim Export zu genügen. Vor Monaten waren viele Verträge geschlossen worden, die Qualitätsanforderungen enthalten und nun schwer einzuhalten sind.

Auch in Ghana wird sich die Hoffnung auf einen kräftigen Produktionsanstieg gegenüber dem extrem schlechten Vorjahr wohl nicht erfüllen. Mit 800.000 Tonnen, statt der bisher angesetzten 840.000 Tonnen, ist die ICCO aber auch hier noch recht optimistisch. Ende April kursierte in der Presse eine inoffizielle Schätzung aus ghanaischen Regierungskreisen von nur 730.000 Tonnen. Im letzten Erntejahr war die Kakaoernte in Ghana wegen starker Harmattan-Winde bereits um 18 Prozent auf 740.000 Tonnen gefallen.


03.2016

Kakao: Trockenes Wetter schadet der Ernte

Die internationale Kakao Organisation (engl. ICCO) erwartet aufgrund von schlechtem, trockenem Wetter eine schlechtere Ernte als im Vorjahr. Wie Reuters im Februar berichtet, werde die Halbzeiternte nicht die Vorjahresmenge von 514.000 Tonnen Kakao erreichen. Die gleiche Situation zeichne sich in Ghana ab, auch hier werde das trockene Wetter dazu führen, dass die Halbzeiterntemenge geringer als im Vorjahr ausfallen werde.


Ghana 2015

Das bittere Geschäft mit dem Kakao

Aus Kumasi und Accra berichtet Britta Kollenbroich

Bei den Menschen in Amankwazia ist der Klimawandel längst angekommen. 400 Einwohner hat das kleine Dorf im Südwesten Ghanas, zwei Drittel von ihnen leben vom Kakaoanbau. Leicht war das Geschäft noch nie: Die Arbeit ist körperlich anstrengend, die Erträge mickrig. Doch in den vergangenen Jahren ist es noch schwieriger geworden. "Wir haben nicht genug geerntet, es hat zu wenig geregnet", sagt der Dorfvorsteher.


10.2015

Côte d'Ivoire erhöht den Druck auf den internationalen Kakaomarkt

Als weltweit grösster Kakaoproduzent hat die Côte d'Ivoire zum zweiten Mal in Folge eine Rekordernte eingefahren und setzte damit ein Zeichen. Der Mindestpreis, der an lokale Kakaobauern zu zahlen ist, war ab der Saison 2013/2014 angehoben worden. Die Côte d'Ivoire hatte Regulierungen des Kakao-Sektors vorangetrieben, was aber von seiten der Industrieseite Kritisiert wurde, da dadurch deren Profite gemindert wurden. Das gestartete 2QC Programme (Quantité, Qualité, Croissance) ist ein Versuch der Regierung von Côte d'Ivoire , der im Jahr 2012 unterzeichneten Global Cocoa Agenda gerecht zu werden. Es wird aber kritisiert, dass die Vertreter der Bäuerinnen und Bauern zu wenig repräsentiert sind.


09.2015

US-Kanzlei reicht Sammelklage gegen Schokoladenproduzenten ein

Eine namhafte US-Kanzlei hat gegen die Schokoladenproduzenten Nestlé, Hershey's und Mars eine Sammelklage eingereicht. Die Kanzlei wirft deren Kakao-Lieferanten Kinderhandel und Zwangsarbeit vor. Die namhafte US-Kanzlei Hagens Berman hat die Konsumentenschutz-Klage gegen Nestlé, Hershey's und Mars in Kalifornien eingereicht. Das berichtet das Schweizer Nachrichtenportal "Blick" unter Berufung auf die Schweizer Nachrichtenagentur AWP. Demnach sollen die Produzenten verheimlichen, dass ihre Kakao-Lieferanten an der Côte d'Ivoire auf Kinderarbeit setzen. Die Kanzlei wirft den Unternehmen Kinderhandel und Zwangsarbeit vor. "Die Konsumenten, die an uns gelangten, sind schockiert, dass die von ihnen konsumierten Süssigkeiten einen dunklen, bitteren‚ Produktionspreis haben", teilte Steve Berman von der US-Kanzlei mit. Daraufhin stellte AWP eine Anfrage an Nestlé für eine Stellungnahme. Der Nahrungsmittelkonzern antwortete knapp: "Kinderarbeit hat in unserer Beschaffungskette keinen Platz." Weiter schrieb das Unternehmen: "Wir ergreifen Massnahmen, Kinderarbeit stufenweise auszumerzen, indem wir jeden einzelnen Fall untersuchen und das Problem an der Wurzeln packen." Anschliessend plädierte das Unternehmen, dass es das proaktive und langfristige Handeln aller Akteure brauche, um Kinderarbeit an der Elfenbeinküste auszurotten. Sammelklagen wie jene in Kalifornien sind dafür nicht geeignet. Der Konzern verteidigte sich weiterhin, dass er unter anderem viel Geld investiere, um die Lebensbedingungen der Kakaobauern zu verbessern. In der Côte d'Ivoire gibt es kein Überwachungssystem gegen Kinderarbeit.


08.2015

Kinderarbeit in Westafrika nimmt weiter zu

In Westafrika, wo 70 Prozent des weltweit gehandelten Kakaos geerntet werden, arbeitet jedes dritte Kind zwischen fünf und 17 Jahren im Kakaoanbau. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Kinder, die vor allem in den Hauptproduktionsländern Côte d'Ivoire und Ghana unter missbräuchlichen Bedingungen arbeiten, um 360.000 (mehr als 19 Prozent) auf 2,12 Millionen gestiegen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Tulane Universität in New Orleans. Wie die Kampagne "Make Chocolate Fair!" am Mittwoch berichtete, gaben 90 Prozent der in der US-Studie befragten Kinder an, regelmässig gesundheitsgefährdende Tätigkeiten zu verrichten. Dazu zählen unter anderem das Schleppen von schweren Kakaosäcken, Umgang mit landwirtschaftlichen Chemikalien und lange Arbeitszeiten, Tätigkeiten, die laut der Internationalen Labour Organisation (ILO) für unter 17-Jährige strengstens verboten sind.

Kinderarbeit ist ein häufiges Phänomen, um Lohnkosten für Arbeitskräfte bei der Kakaobewirtschaftung niedrig zu halten. In der Côte d'Ivoire müssen Kakaobäuerinnen und Kakaobauern mit einem Tagesverdienst von 0,50 US-Dollar und in Ghana mit 0,84 Dollar auskommen. Beide Werte sind weit unter der von der UNO festgesetzten Armutsgrenze von zwei Dollar pro Tag. Das hat der kürzlich veröffentlichte Kakaobarometer der Kampagne "Make Chocolate Fair!", der gemeinsam mit dem VOICE Network erstellt wurde, ergeben. Die InitiatorInnen der Kampagne "Make Chocolate Fair!", sehen in der Armutsgefährdung der Kakaobauernfamilien den Grund für den weitverbreiteten Einsatz von Kinderarbeit.

Dabei haben schon 2001 viele Schokoladenkonzerne mit der Unterzeichnung des Harkin-Engels Protokolls erstmals versprochen, entschieden gegen Kinderarbeit vorzugehen. Diesem Versprechen folgte 2010 eine Selbstverpflichtung der namhaften Schokoladenkonzerne, bis 2020 keine Kakaobohnen mehr aus Betrieben mit Kinderarbeit zuzukaufen.

"Entgegen der Selbstverpflichtung der grossen Schokoladekonzerne, bis 2020 keine Kakaobohnen aus Betrieben mit Kinderarbeit zu beziehen, und einer Resolution des Europäischen Parlaments im Jahr 2012 zur Bekämpfung von Kinderarbeit, hat sich die Situation verschlechtert. Deswegen ersuchen wir um rege Teilnahme an unserer Petition, um die Schokoladenkonzernen und die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der EU an ihre Versprechungen zu erinnern und zu verbindlichen Massnahmen zu bewegen. Den Kindern muss ihre Freiheit zurückgegeben werden und sie müssen vor Ausbeutung geschützt werden!", so Bernhard Zeilinger, Leiter der Südwind Kampagne "Make Chocolate Fair!" in Österreich.

Alle bisherigen Projekte der Schokoladenindustrie zielen auf eine Erhöhung der Kakaoernte ab. Doch für die Kakaobäuerinnen und Bauern bedeutet das nicht zwangsläufig ein höheres Einkommen. In erster Linie profitieren der Zwischenhandel und die Aufkäufer des Kakaos. "Hier gilt es durch eine Zertifizierung des Kakaohandels, wie. z.B.: FAIRTRADE, Strukturen in den Produktionsländern aufzubrechen, die ein Ansteigen der Einkommen der Kakaobäuerinnen und Kakaobauern garantieren", betont Gerhard Riess von der Gewerkschaft PRO-GE in Wien. Er rät Unternehmen, sich fairen Handelsinitiativen anzuschliessen, um sich nicht dem Vorwurf der Mittäterschaft aussetzen zu müssen.

Reinhard Heiserer von Jugend Eine Welt Österreich schliesst sich den Forderungen an die lokalen Regierungen an: "Wir fordern mehr Verantwortung der lokalen Regierungen und Behörden im Kampf gegen missbräuchliche Kinderarbeit. Diese Länder riskieren ihre Zukunft, wenn sie es zulassen, dass Millionen Kinder ausgebeutet werden statt zur Schule zu gehen. Wir finden, es ist auch höchst an der Zeit, dass hier die politischen Verantwortlichen in der EU klare Worte finden und rasche Massnahmen einfordern!"

In Österreich machen Südwind, PRO-GE, Weltumspannend Arbeiten und Jugend Eine Welt im Rahmen der europaweiten Kampagne "Make Chocolate Fair!" für faire Löhne und Lebensbedingungen der Kakaobäuerinnen und –bauern mobil und rufen zur Unterzeichnung einer gemeinsamen Petition unter at.makechocolatefair.org auf.

Europaweit haben sich bereits 109.000 UnterstützerInnen diesen Forderungen angeschlossen, über 19.000 aus Österreich. Die Petition wird am 2. Dezember 2015 anlässlich des Internationalen Tag für die Abschaffung der Sklaverei in Brüssel an den Dachverband der europäischen SchokoladeproduzentInnen CAOBISCO, übergeben.


Web:

-Tulane Universität: Forschungsarbeit zu Kinderarbeit im Kakaosektor [engl.]

-www.makechocolatefair.org


Quelle: www.suedwind-agentur.at  




Inhaltsstoffe der Kakaobohne:


ca. 54% Kakaobutter (Fett)

ca. 11,5% Eiweiss

ca. 9% Cellulose

ca. 7,5% Stärke und Pentosane

ca. 5% Wasser


In der Kakaobohne sind aber auch noch die Gerbstoffe (z.B. Tannin), Mineralstoffe und Salze, Magne-sium, verschiedene Zuckerarten, etwas Koffein und Theobromin enthalten.

Kakaofrucht.jpg

Kakaoanbau-Entwicklung der vergangenen Jahre


Kakao Saison 2013/2014

Wie die Internationale Kakaoorganisation ICCO meldet, war der Kakaoüberschuss in der Saison 2013/2014 etwas grösser als erwartet. Laut ICCO wurden in der vergangenen Saison insgesamt 53.000 Tonnen mehr geerntet als verarbeitet. Noch im August 2013 war man von einem Plus von 40.000 Tonnen ausgegangen. Grund für die Anpassung war eine gute Zwischenernte in der Côte d'Ivoire und gute Erträge in Brasilien.

Wie die ICCO weiter berichtete, wird die Côte d'Ivoire in der neuen Saison 2015 vermutlich zum weltweit grössten Verarbeiter von Kakaobohnen aufsteigen und die Niederlande auf Platz 2 verdrängen. Die Côte d'Ivoire ist auch der grösste Kakaoproduzent der Welt. Insgesamt stieg die weltweite Verarbeitung von Rohkakao in der vergangenen Saison um 3% an. Die Verarbeitung des Kakaos in den Kakaoanbauländern stieg stärker auf 6% an. Besonders stieg die Kakaoverarbeitung in Westafrika um 8% an. Früher wurde der Kakao ausschliesslich in Europa und Nordamerika verarbeitet, nun erreichte er in den Erzeugerländern einen Anteil von 45%. Die weltweite Kakaoproduktion erreichte in der Saison 2013/2014 ein Rekordhoch. Insgesamt wurden 4,365 Millionen Tonnen Kakao geerntet. Verarbeitet wurden 4,268 Millionen Tonnen, davon 1,905 Millionen Tonnen direkt in den Anbauländern. Das Wachstum beim Kakaoanbau lieferte vor allem in Westafrika. Dort stieg die Kakaoernte um 12 % im Vergleich zur Vorsaison.

Für die Saison 2013/2014 hatte die Côte d'Ivoire den Minimumpreis für Farmer auf 850 CFA francs (US$1,64) pro Kilogramm erhöht (2014: 750 CFA francs). Auch in Ghana wurde der Preis angehoben und zwar auf 5,52 Ghana cedis (US$ 1,72) pro Kilogramm. Der Preis in Ghana wurde gezielt über den der Côte d'Ivoire angesetzt um keine Anreize für Kakaoschmuggel ins Nachbarland zu bieten.


Kakao Saison 2012/2013

Im gesamten Jahr 2012 waren von den europäischen Unternehmen insgesamt 1,29 Mio. Tonnen Kakao verarbeitet worden. Das ist das niedrigste Niveau seit sieben Jahren. Der Rückgang hatte sich aber zum Jahresende 2012 abgeschwächt. Im zweiten und dritten Quartal des Jahres 2012 waren die Vermahlungszahlen noch 18% bzw. 16% unter dem Jahresniveau von 2011.

Für das Jahr 2013 geht man von einer weiteren Verbesserung aus. Angesichts schwacher Verarbeitungsmargen hatten die Schoko-ladenproduzenten in den vergangenen Monaten verstärkt auf ihre Lagerbestände zurückgegriffen. Nun müssen diese Lagerbestände wieder aufgestockt werden. Dadurch hat der Kakaopreis nicht mehr negativ auf die neuesten Vermahlungszahlen reagiert. Die Produzentenländer gewinnen bei der Verarbeitung immer mehr an Bedeutung. So ist die Kakaoverarbeitung in Brasilien im Jahr 2012 auf ein Rekordniveau von 245.000 Tonnen gestiegen.


Côte d'Ivoire Saison 2010/11

In dem westafrikanischen Land Côte d'Ivoire haben Verarbeiter und Händler in diesem Jahr verstärkt Rohkakao für den Export angemeldet. Seit Beginn der Saison 2010/11 am 1. Oktober 2010 erreichten die Deklarationen bis zum 15. September 2011 rund 1,35 (Vorjahr: 1,04) Mio t Kakao. Damit wurde ein Anstieg im Vergleich zur Saison 2009/2010 um 311.293 t oder 30% erreicht. Wie es aus der Industrie hiess, handelte es sich um Anmeldungen für 1,022 Mio t Rohkakao, was ein Plus von 52% zur vorherigen Saison ist. Durch diese Rekordernte kam es an den Internationalen Kakao-Börsen zu fallenden Kursen. Obwohl es in dem Land von November 2010 bis April 2011 wegen der Präsidentschaftswahl zu heftigen politischen Unruhen mit mehreren Tausend Toten gekommen war, konnte das Land doch weiterhin Kakao exportieren.


Verpackung einer Tafel Schokolade aus der Côte d'Ivoire

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Quelle: ICCO

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Liste der grössten Kakaoproduzenten (Kontinente)

2011-2016

Links:


Neue Zürcher Zeitung:  13.04.2017  Das Geschäft mit dem Kakao


Neue Zürcher Zeitung:  07.01.2017  Schokolade wächst auf Bäumen


International Cocoa Organization   ICCO


Make Chocolate Fair

 

17.01.2017

Wie der Klimawandel den Kakaoanbau in Westafrika bedroht


Klimaforscher*innen prognostizieren, dass weite Teile von Ghana und Côte d‘Ivoire bis 2050 zu trocken für den Kakaoanbau werden – mit weitreichenden Folgen für die globale Kakaoproduktion. Millionen von Kakaobäuerinnen und -bauern benötigen dringend Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel. Doch die bisherigen Bemühungen der Schokoladenindustrie und der Regierungen sind zu zaghaft und werfen außerdem einige Fragen auf.

Kakao ist eine sensible Pflanze, die nur unter sehr speziellen Wetterbedingungen in einigen Gebieten entlang des Äquators gedeiht. Verändern sich diese Bedingungen infolge des Klimawandels, stößt die Kakaopflanze schnell an ihre Toleranzgrenze. So führte in diesem Jahr in Côte d‘Ivoire und Ghana eine ungewöhnlich lange Dürreperiode zu empfindlichen Ernteeinbußen. Bereits im Vorjahr hatten in Ghana heftige Regenfälle dafür gesorgt, dass der Kakaoanbau um 30 Prozent einbrach.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind im Kakaosektor also schon heute spürbar. Klimaforscher*innen zufolge wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren deutlich verstärken: „Unsere Modelle zeigen, dass die für den Kakaoanbau geeigneten Flächen schrumpfen werden“, erklärt Peter Läderach, Klimaexperte beim International Center for Tropical Agriculture (CIAT) und Mitherausgeber einer wegweisenden Studie zum Thema Klimawandel und Kakao.(i) Läderach und seine Kolleg*innen gehen davon aus, dass die Temperaturen in Westafrika bis 2050 um zwei Grad ansteigen werden. In der Folge, so die Prognose, würden Teile von Côte d´Ivoire und Ghana zu trocken für den Kakaoanbau.

Das Problem ist: Côte d‘Ivoire und Ghana sind die beiden wichtigsten Kakaoanbauländer, rund 60 Prozent der globalen Ernte stammen von dort. Ein Rückgang der von diesen Ländern produzierten Kakaomenge hätte also gravierende Folgen für die globale Kakaoproduktion. Ein sinkendes Angebot bei weiterhin steigender Nachfrage könnte langfristig zu höheren Kakaopreisen führen. Schokolade könnte sich also wieder zu einem Luxusgut entwickeln.

Anlass zur Sorge besteht aber nicht nur für die Schokoladenindustrie und die Konsument*innen. Die Volkswirtschaften Ghanas und der Côte d‘Ivoire leben vom Kakaoexport, in Ghana macht der Kakao rund 30 Prozent der gesamten Exporteinnahmen aus. Und insbesondere für Millionen von Kleinbäuerinnen und -bauern könnten die Klimaveränderungen katastrophale Auswirkungen haben: Die meisten von ihnen sind in hohem Maße vom Kakao abhängig, der häufig die einzige oder zumindest die Haupteinnahmequelle darstellt.


Klimawandel mit unterschiedlichen Auswirkungen


Schon heute leben die meisten Kakaobäuerinnen und -bauern in Westafrika weit unterhalb der Armutsgrenze. Die Autor*innen der CIAT-Studie warnen davor, dass es, sollten sich die verfügbaren Flächen verringern, zu verschärften Landkonflikten um die Gebiete kommen könnte, in denen Kakaoanbau weiterhin möglich ist. Außerdem könnte die Suche nach neuen Anbauflächen zur vermehrten Abholzung von Regenwäldern führen.

Was müsste geschehen, um dieses Szenario abzuwenden? In manchen Gebieten wird der Kakaoanbau nicht mehr zu retten sein. Hier wird es darum gehen, rechtzeitig Strategien für den Übergang zu anderen Kulturpflanzen zu entwickeln und die Kleinbäuerinnen und -bauern bei diesem komplexen Prozess zu unterstützen.

In vielen Gebieten hat der Kakaoanbau aber eine Zukunft – wenn rechtzeitig die nötigen Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel ergriffen werden. Welche Maßnahmen dies im Einzelnen sind, hängt auch davon ab, wie sich der Klimawandel jeweils konkret auswirkt: In manchen Regionen sind eher steigende Temperaturen und längere Dürreperioden das Problem, in anderen die veränderten Niederschläge. Es gibt also nicht eine große Lösung, sondern viele kleine.

Ein zentraler Baustein der Klimaanpassung sind Schulungen in guter landwirtschaftlicher Praxis, welche den Bäuerinnen und Bauern das nötige Wissen über Bewässerungstechniken, nachhaltige Bodenpflege oder Schädlingsbekämpfung vermitteln.

Große Hoffnungen werden außerdem in die Züchtung trockenresistenter Pflanzen gesetzt. Diese sollen höheren Temperaturen und längeren Dürreperioden besser standhalten können. Götz Schroth, Senior Manager des Klimaprogramms bei der Rainforest Alliance, merkt allerdings kritisch an, es bleibe abzuwarten, ob mehr Forschung tatsächlich zu wesentlich trockenresistenteren Kakaosorten führen werde.

Die Bäuerinnen und Bauern sollten zudem bei der Diversifizierung ihres Anbaus unterstützt werden, wie es Kampagnen wie Make Chocolate Fair! schon seit längerem fordern, um die Abhängigkeit von Kakao als alleinigem Anbauprodukt zu reduzieren und mögliche Einbußen in Folge von Klimaveränderungen besser ausgleichen zu können.

Einen solchen Ansatz verfolgt zum Beispiel die INKOTA-Partnerorganisation Procomes in El Salvador (weitere Informationen dazu finden Sie unter www.inkota.de/procomes). Statt eines Anbaus in Monokulturen sollte Kakao in diversifizierten Agroforstsystemen mit einheimischen Baumarten kombiniert werden. Schattenbäume schützen den Kakao nicht nur vor zu viel Sonnenlicht und zu hohen Temperaturen. Ihre Hölzer und Früchte können zudem wichtige Nebeneinkommensquellen bieten. Außerdem leisten sie durch die Bindung von CO2 einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.


Den Ernst der Lage noch nicht erkannt


In letzter Zeit ist das Thema Klimawandelanpassung immer häufiger Teil von Nachhaltigkeitsprogrammen der Schokoladenindustrie. Das Unternehmen Mondelez verteilte in Ghana 100.000 neugezüchtete, trockenresistentere Kakaosetzlinge an die Bauern, verschiedene Unternehmen investieren in die Pflanzenforschung oder finanzieren Trainingsprogramme.

Ende Mai rief die industrienahe World Cocoa Foundation ein neues Programm für „klimasmarten Kakao“ ins Leben, an dem neben den wissenschaftlichen Expert*innen vom CIAT und der US-Entwicklungsbehörde USAID viele weltweit führende Schokoladenunternehmen (z.B. Mars, Nestlé, Hershey´s, Lindt) beteiligt sind.

Dass die größten Süßwarenhersteller sich zusammenschließen, um ihre Anstrengungen zu bündeln, ist zuerst einmal positiv – schließlich wurde in der Vergangenheit bemängelt, dass Unternehmen mit parallelen Initiativen häufig aneinander vorbei agieren. Das WCF-Programm könnte endlich den Austausch von Informationen über Nachhaltigkeitsprojekte einzelner Unternehmen sowie deren Erfolge und Misserfolge befördern – was die Zivilgesellschaft schon seit längerem fordert.

Allerdings wirft der von der WCF verwendete Begriff „klimasmart“ große Fragezeichen auf. Nichtregierungs- und Bauernorganisationen kritisieren, dass dieser Begriff, der in der Debatte um Klimaanpassung gerade generell an Bedeutung gewinnt, bisher inhaltlich völlig unbestimmt bleibt und damit zum Einfallstor für die umwelt- und sozialschädlichen Praktiken der industriellen Landwirtschaft wird.(ii)

So zeigt die Erfahrung in anderen Sektoren, dass auch große, industrielle Monokulturen unter Einsatz von Gentechnik und Agrarchemie das Label „klimasmart“ für sich reklamieren können. In Bezug auf den Kakaoanbau stellt sich also die Frage, welche Formen landwirtschaftlicher Praxis hier als klimasmart deklariert werden. Die bisherigen Nachhaltigkeitsprogramme der Industrie etwa fokussieren sehr stark auf eine Steigerung der Produktivität der Kakaoflächen – was häufig mit mehr Dünger und Pestiziden verbunden ist. Für die Zivilgesellschaft heißt es hier in den nächsten Jahren, ganz genau hinzuschauen.

Außerdem entsprechen die bisher ergriffenen Maßnahmen bei weitem nicht dem akuten Handlungsbedarf. „Die meisten relevanten Marktteilnehmer des Kakaosektors haben sich mit den größten bevorstehenden Herausforderungen – den konkreten Auswirkungen des Klimawandels in Westafrika – noch nicht hinreichend beschäftigt“, bemerkt etwa Götz Schroth.

Dies gilt im Übrigen nicht nur für die Industrie, sondern auch für die Regierungen der Kakaoanbauländer. So berichtet Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut von Problemen in Westafrika bei der Verteilung klimaresistenter Setzlinge und von Züchtungsprogrammen, die mit veraltetem Saatgut arbeiten. Wenn die Anpassung an den Klimawandel rechtzeitig gelingen soll, müssen Industrie und Regierungen ihre Anstrengungen deutlich erhöhen.

Außerdem darf die Debatte um Klimaanpassungen nicht von der Diskussion um ein existenzsicherndes Einkommen entkoppelt werden. Denn Klimaanpassung kostet Geld. Und wie sollen die Kakaobäuerinnen und -bauern, die sich schon jetzt aufgrund von Armut beziehungsweise extremer Armut nicht die nötigen Investitionen in ihre Plantagen leisten können, die zusätzlichen Kosten für die Klimaanpassung aufbringen?

In den vergangenen Jahren hat die Schokoladenindustrie viel in Schulungen investiert. Doch es zeigt sich bereits, dass nur sehr wenige Bauern das gelernte Wissen auch umsetzen – was viel mit fehlenden finanziellen Mitteln zu tun hat. Es reicht deshalb nicht, wenn die Industrie einzig und allein auf eine Steigerung der Produktivität setzt. Auch höhere Mindestpreise und Prämien gehören in der Diskussion berücksichtigt.


Quelle: Make Chocolate Fair