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Geschichte    Westafrikaforscher






Heinrich Barth

Heinrich Barth (* 16. Februar 1821 in Hamburg; † 25. November 1865 in Berlin) war ein deutscher Afrikaforscher und Wissenschaftler (Archäologe, Philologe, Geograph).


Heinrich Barth gehört nicht zu den bekanntesten Afrikaforschern wie etwa Henry Morton Stanley oder David Livingstone, was primär damit zusammenhängt, dass sein Reisewerk kein Bestseller wurde. Barth wandte sich weniger an das breite Publikum als vielmehr an die Wissenschaftler, vornehmlich die Geografen und Historiker, und lieferte eine detailreiche Reisebeschreibung und lange Exkurse zur Kultur und Geschichte der nord- und westafrikanischen Völker, jedoch keine spannenden Abenteuer, obwohl der Fortgang der Expedition mehrfach durch lebensbedrohliche Situationen gefährdet war. Angesichts des damalig geringen Interesses an Afrika wurde sein umfangreiches Werk nur teilweise zur Kenntnis genommen und sein weit vorausschauendes Konzept einer inter-disziplinären Afrikawissenschaft wurde erst nach 1950 aufgegriffen.


Heute gilt Heinrich Barth  nicht nur als Pionier, sondern auch als einer der wenigen Forschungsreisenden, die den Afrikanern mit einer für das 19. Jahrhundert ungewöhnlichen Unvoreingenommenheit entgegentraten und bereit waren, beispielsweise mit den Vertretern des afrikanischen Islam in einen interkulturellen Dialog einzutreten. Dieses unzeitgemässe Afrikabild, welches Barth den Menschen vorstellte, passte nicht in die kolonialen Ambitionen der europäschien Herrscher und hat vermutlich dazu beigetragen das Barth nach seinem Tod schnell in Vergessenheit geriet.


Barth ein ausgezeichneter Linguist und sprach fliessend Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Türkisch, und Arabisch, ausserdem erlernte er mehrere afrikanische Sprachen. Er hatte es sich das Ziel gesetzt, nach Möglichkeit mit den Menschen, mit denen er zusammentraf, in ihrer Landessprache zu kommunizieren. So beherrschte er mehrere Dialekte des Tamaschaq, der Sprache der Tuareg, die maurisch-arabischen Dialekte Nordwestafrikas, das Hausa, das Fulfulde und das Kanuri.


Seine erste Afrikareise führte Barth von 1845 bis 1847 entlang der Mittelmeerküste Tunesiens und Libyens und nach Malta. Hierbei interessierte er sich vornehmlich für die archäologischen Spuren der Antike (Phönizier, Griechen und Römer) und noch nicht für die Völker Innerafrikas und deren Geschichte und Kultur. Im Grenzgebiet zwischen dem heutigen Libyen und Ägypten wurde Barth Opfer eines Überfalls, bei dem er einen Teil seiner Tagebücher und vor allem seine Daguerre-Fotokamera einbüsste. Der Bericht über diese Reise, der sich vor allem mit der Bedeutung Nordafrikas in der antiken Kultur- und Handelsgeschichte widmete, wurde 1847 an der Berliner Universität als Habilitationsschrift anerkannt.


Im Jahre 1849 beauftragte die britische Regierung den Missionar und Abolitionisten James Richardson mit einer Expedition durch die Sahara, die von Tripolis an den Tschadsee führen sollte. Da Richardson über keine wissenschaftliche Vorbildung verfügte, wurde Barth durch die Vermittlung des preussischen Botschafters in London, des Freiherrn Christian Karl Josias von Bunsen als Begleiter an die britische Seite vermittelt. Zusätzlich wurde noch der Astronom und Geologe Adolf Overweg engagiert. Durch diese Reise, die die wohl bedeutendste und auch am besten ausgerüstete Afrikaexpedition darstellte, erlangte Barth Weltruhm, wenn auch nur für wenige Jahre.


Diese Reise dauerte für Barth sechs Jahre. Seine Begleiter Richardson und Overweg starben allerdings 1851 (im heutigen Nordnigeria) bzw. 1852 (am Tschadsee). Daraufhin wurde Barth von der britischen Regierung zum Leiter der Expedition ernannt. Er erforschte die Gebiete südlich des Tschadsees und den Flusslauf des Benue (Nebenfluss des Niger). Dann drang er weiter bis zur berühmten Handelsstadt Timbuktu vor und kehrte anschliessend nach Tripolis zurück, wo er von dort aus nun nach London zurückkehrte. Auf dem Rückweg von Timbuktu traf er auf Eduard Vogel, der Barth nachgereist war, da dieser als vermisst galt. Die beiden trennten sich jedoch schon sehr bald wieder. Insgesamt legte Barth auf der gesamten Reise knapp 20.000 km zurück.




Westafrikaforscher


Paul Erdmann Isert

Paul Erdmann Isert (* 1756 in Angermünde; † 21. Januar 1789) war ein deutscher Botaniker und Zoologe. Er wurde in Angermünde/Brandenburg geboren, aber erhielt seine Ausbildung in Dänemark.


Als erster Wissenschaftler entdeckte er im heutigen Ghana die Vogelart Schildturako (Musophaga violacea). Ebenso bekannt wurde er durch seine Bemühungen, den dänisch-norwegischen Sklavenhandel zu beenden.



Oskar Lenz

Oskar Lenz (* 13. April 1848 in Leipzig; † 2. März 1925 in Sooss war ein deutsch-österreichischer Afrikaforscher, Mineraloge und Geologe.


Lenz, der 1870 in Leipzig zum Doktor der Mineralogie und Geologie promovierte, nahm 1873 die österreichische Staatsbürgerschaft an und trat als Beamter in die K. k. Geologische Reichsanstalt ein. Von 1879 bis 1880 durchquerte eine von Lenz angeführte Expedition erstmals die Sahara von Marokko an den Senegal, Hauptaugenmerk der Reise waren geologische Studien, vor allem die in Nordwestafrika vermuteten Eisenerzvorkommen. In Timbuktu wurde Lenz, der für den Sohn des Afrikaforschers Heinrich Barth gehalten wurde, freundlich empfangen, obwohl die allgemeine Stimmung in der Karawanenstadt wegen der französischen Vorstösse vom Senegal und von Algerien aus in Richtung Niger aufgeheizt und latent fremdenfeindlich war. Lenz und seine Begleiter hatten weitgehend unbehelligt reisen können, doch beteiligte sich der Forscher nach seiner Rückkehr nach Europa besonders aggressiv an der anti-islamischen Agitation, die eine koloniale Inbesitznahme Nord- und Westafrikas ideologisch rechtfertigen sollte.

1885 bis 1887 leitete er die österreichische Kongoexpedition, während dieser wurde ganz Afrika von Westen nach Osten durchquert. Die Hauptziele der Expedition waren die Feststellung der tatsächlichen Handelsverhältnisse im 1885 gegründeten Kongo-Freistaat und die Kartografierung des Kongo-Stroms beziehungsweise der Wasserscheideverhältnisse des Kongos und des Nils.

Lenz konzentrierte sich vor allem auf die geologischen und ethnographischen Studien, während sein Begleiter Oscar Baumann für die Kartografierung des Gebietes zuständig war. Seit 1887 war Lenz Professor für Geographie an der Deutschen Universität Prag.



Hans Gruner

Hans Gruner (* 10. März 1865 in Jena; † 6. August 1943 Jena) war ein deutscher Afrikaforscher und Kolonialbeamter in Togo.


Gruner studierte in Jena und in Freiburg im Breisgau allgemeine Naturwissenschaften und betrieb 1887 bis 1891 insbesondere Chemie, Mineralogie, Geologie und arbeitete auf den Sternwarten in Leipzig und Jena. Er schloss seine Studien als Dr. phil ab.

1892 erhielt Gruner von der deutschen Regierung den Auftrag, den Militärposten Misahöhe im damals deutschen Togoland in eine wissenschaftliche Station umzuwandeln. Als Engländer und Franzosen sich 1893 und 1894 im Wettlauf um Afrika bemühten, die Länder westlich des Nigers ihrer Kolonialherrschaft zu unterwerfen, unternahm Gruner zusammen mit dem Arzt Dr. Döring (* 1868) und Leutnant Carnap-Quernheimb auf Befehl der Regierung eine grössere Expedition von Togo nach Sokoto. Er brach dazu am 6. November 1894 von Misahöhe auf und erreichte Ende Januar 1895 Kankantschali, wo er einen Bündnisvertrag mit dem Fürsten von Gurma abschloss. Die Reisenden trafen dann am 19. Februar in Say ein und machten im März einen Abstecher nach Gando in Sokoto und kehrten durch Borgu nach Togo zurück.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Deutschland war Gruner zwischen 1892 und 1899 in Sansanne-Mangu und dann bis 1914 in Misahöhe als Stationsleiter und Bezirksamtmann tätig. Gemeinsam mit seiner Frau Luise wurde er nach Kriegsbeginn in Dahomey interniert. Der Geheime Regierungsrat a. D. Dr. Hans Gruner starb am 6. August 1943 in Jena.





    Heinrich Barth 1860                  Heinrich Barth 1864

HeinrichBarth1860.jpg HeinrichBarth1864.jpg

Heinrich Barth und der Islam

Es ist davon auszugehen, dass Barth auch wegen seines völlig unzeitgemässen Eintretens für den Islam scheiterte. Im öffentlichen Bewusstsein galt diese Religion als zivilisationsfeindlich und ihre Träger als fanatisch und fremdenfeindlich. Barth hatte sich klugerweise zum Grundsatz gemacht, die Gewohnheiten und Gepflogenheiten des islamischen Lebens und Glaubens zu respektieren, solange diese nicht im schroffen Gegensatz zu seinen Vorstellungen von Menschlichkeit standen. Fremdenfeindliches Verhalten hatte er trotzdem erlebt, doch war er objektiv genug, auch nach den Gründen hierfür zu suchen. Er fand sie im niedrigen Bildungsgrad vieler afrikanischer Muslime, in der Furcht vor dem Fremden im Allgemeinen und vor dem Vordringen der Franzosen im Besonderen. Andererseits traf er immer wieder auf gebildete Muslime wie den Marabut Sidi Uthman bei den Tuareg, den blinden Fulani-Gelehrten Faki Ssambo oder den geistlichen und politischen Führer von Timbuktu, Sidi Ahmad al-Baqqai. Mit diesen Männern konnte er einen friedlichen interkulturellen Dialog führen und über Religion, Geschichte und Philosophie diskutieren, und gerade von ihnen verfasste er einige der wenigen sehr persönlich gehaltenen, beinahe rührend formulierten Schilderungen von Einzelpersonen, mit denen er auf seiner Reise engeren Kontakt pflegte.


Barth muss als ein sehr guter und vor allem unvoreingenommener Kenner des Islam betrachtet werden, so dass er in der Lage war, mit hochgebildeten Korangelehrten in Sokoto oder Timbuktu auch über Feinheiten der Theologie zu diskutieren. Die Rolle des Islam bei der Bildung der alten westafrikanischen Reiche hat Barth wohl angesichts der ihm zur Verfügung stehenden Chroniken überbewertet, aber gerade diese Einschätzung brachte ihn dazu, den christlichen Missionen und ihrem Anspruch, sie allein könnten Afrika der Zivilisation zuführen, in polemischer Weise entgegen zu treten. Eine Religion wie der Islam, der Westafrika im Mittelalter auf eine so hohe Stufe der Kultur geführt hatte, konnte seiner Auffassung nach unmöglich zivilisationsfeindlich sein. In mehreren Briefen, aber auch in veröffentlichten Artikeln verlangte er, den intellektuellen Ausgleich mit dem Islam zu suchen und dieser Religion den Vortritt bei der Weiterentwicklung Afrikas zu lassen. Hinter dieser Forderung stand keineswegs die gegen Ende des 19. Jahrhunderts häufiger anzutreffende Überzeugung, der Islam als minderwertige Religion passe besser für eine nicht entwicklungsfähige Rasse. Vielmehr war es für Barth eine erwiesene Tatsache, dass die Afrikaner intellektuell gleichwertig neben den Europäern standen und der Islam dem Christentum in theologischer und kulturgeschichtlicher Hinsicht ebenbürtig war. In einem seiner letzten Artikel trug er den utopischen Gedanken vor, Europäer und Muslime sollten in Westafrika eine christlich-islamische Akademie gründen, in der die Möglichkeit für eine Annäherung und einen Ausgleich zwischen den beiden Religionen geschaffen werden könnte. Mit einer solchen Ansicht aber musste er beispielsweise den Widerspruch der in Afrika tätigen und einflussreichen "Berliner Missions-gesellschaft", deren Verbindungen bis in die höchsten gesellschaftlichen Kreise reichten, provozieren.


Die in jüngerer Zeit geäusserte Kritik, Barth sei nicht afrikanerfreundlich, sondern nur islamfreundlich gewesen, ist einseitig, da Barth fast ausschliesslich im islamisch geprägten Raum reiste und nur in Ausnahmesituationen Gelegenheit hatte, die nichtmuslimischen Völker zu besuchen (etwa im Gefolge einer Sklavenjagd). Doch zeigen seine Ausführungen, dass er den Afrikanern insgesamt offen und vorurteilsfrei gegenüber stand. Die Arbeiten, in denen diese Kritik geäussert wird, basieren aber auf einer unzureichenden Quellenbasis und ignorieren Barths Zeitschriftenartikel und Korrespondenz. Die Barth-Kritiker berücksichtigen ebenfalls nicht hinreichend die zeitgenössischen Diskurse, d. h. den durch die etablierte Wissenschaft vorgegebene Rahmen, in dem sich Barth intellektuell und strukturell bewegte bzw. bewegen musste und den er häufig bewusst durchbrach.