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Ethnie Guinea Bissau



Balanta

Die Balanta (Balante) sind eine Ethnie in Westafrika  und in den Ländern Senegal, Gambia und Guinea-Bissau vertreten. In Guinea Bissau stellen die Balanta die grösste Ethnie mit einem ca. Viertel der Bevölkerung. Die Gesamtzahl der Balanta wird auf 442.000 geschätzt, davon in Guinea-Bissau auf 420.000.


Archäologen glauben, dass die Balanta zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert in kleinen Gruppen in das heutige Guinea-Bissau einwanderten. Während des 19. Jahrhunderts verteilten sie sich über ganz Guinea-Bissau und den Süden Senegals, um der Ausbreitung des Königreichs der Kaabu zu entgehen. Die mündliche Überlieferung der Balanta selbst besagt, sie seien aus der Region des heutigen Ägypten, Sudans und Äthiopiens westwärts gezogen, um dortigen Auseinandersetzungen zu entgehen. Heute siedeln die Balanta vor allem südlich des Flusses Geba und in der Mitte Guinea-Bissaus.


Die Balanta kommen ohne Chief oder anerkannten Führer aus. Alle wichtigen Entscheidungen werden unter den Balanta durch einen Rat der Weisen getroffen. Um als Mitglied der Gemeinschaft aufgenommen zu werden, muss sich der Aufzunehmende einer Initiations-Zeremonie stellen. Insgesamt herrscht unter den Balanta Gleichheit. In der Folge hatten die portugiesischen Kolonialisten Schwierigkeiten mit ihnen. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert startete Portugal mehrere Befriedungskampagnen gegen aufständische Balanta und unterwarf sie ernannten Chefs der Fulani.


Der portugiesischen Repression wegen liessen sich Balanta im Unabhängigkeitskampf in den 1960er- und 1970er-Jahren in grosser Zahl als Soldaten durch die PAIGC anwerben. Nach der Unabhängigkeit allerdings übernahmen Nationalisten die Macht und die Balanta, mit ihrer Schwierigkeit, Dorfkomitees und andere Verwaltungsstrukturen wegen ihrer dezentralen sozialen Organisation einzurichten, blieben aussen vor. Viele Balanta verübelten ihren Ausschluss aus der Regierung.


In den 1980er-Jahren kam es aus der Armee heraus zu mehreren Staatsstreich-Versuchen. Balanta ist eine zum Sprachzweig Bak gehörende nordatlantische Sprache. Ihre Sprecher sind mehrheitlich Analphabeten und bedienen sich im Umgang mit Angehörigen anderer Ethnien des in Guinea-Bissau üblichen portugiesischen Kreolisch. Die Balanta sind im Allgemeinen Animisten. Ansonsten überwiegt der Islam gegenüber christlichen Bekenntnissen. Djon Cago ist der Name einer der Gottheiten. Balanta glauben, dass die Götter sehr weit entfernt sind. Die Gläubigen versuchen sie durch Geisterbeschwörung und Opfer zu erreichen.


Pepel

Die Pepel (Papel, Pepeis, Papeis) sind eine afrikanische Volksgruppe, deren Mitglieder fast ausschliesslich im Westen des westafrikanischen Staates Guinea-Bissau in der Region Biombo (unmittelbar nordwestlich der Hauptstadt) ansässig sind. Sie umfasst etwa 140.000 Angehörige, von denen ca. 4000 in anderen Ländern, vor allem im Senegal leben. Der wohl bekannteste Vertreter dieser Volksgruppe ist der ehemalige Guinea-Bissauische Präsident João Bernardo Vieira.


Zur Zeit des Kolonialismus in Portugiesisch-Guinea war die reale Macht der Portugiesen über die Pepel relativ gering, bis 1915 mussten sogar die Portugiesen einigen Pepelgruppen Tribut zahlen, um ihren Aktivitäten in der Region Bissau nachgehen zu können. Die Pepel haben eine gleichnamige Sprache, die zu den Bak-Sprachen der Atlantik-Kongo-Sprachfamilien gehört.


Die eindeutige kulturelle und ethnogenetische Abgrenzung der Pepel zu anderen Volksgruppen ist umstritten, denn besonders zur Kultur und Sprache der Mandjaco gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Ihre Wirtschaftsweise ist vielseitig. Neben dem Ackerbau (Reis) betreiben sie auch Viehzucht (Rinder, Schweine, Ziegen) sowie Fischfang. Sie sind auch als geschickte Weber von Tüchern bekannt, die ihnen auch als Kleidung dienen.


Ihre politische und soziale Organisationsform ist hierarchisch geprägt. Man lebt in Grossfamilien, bestehend aus mehreren, oft polygynen Einzelfamilien, deren Wohnsitz Moransa genannt wird und denen ein Oberhaupt vorsteht. Die Moransas wiederum unterstehen lokalen Chiefs, die Regulos (kleiner König) genannt werden.  Nach der Heirat zieht die Ehefrau typischerweise in die Moransa des Ehemannes, die meistens auch die seines Vaters ist. Die Pepel sind mehrheitlich Christen, gleichzeitig stehen sie aber auch animistischen religiösen Vorstellungen sehr nahe. Ausserdem spielen ihre Vorfahren (Ahnen) eine für sie sehr wichtige Rolle. So ist z.B. die After-Burial-Zeremonie Toka Chur, die einige Monate bis mehrere Jahre nach der eigentlichen Bestattungsfeier eines gesellschaftlich angesehenen Verstorbenen in dessen Moransa gefeiert wird, eines der wichtigsten familiären und gesellschaftlichen Ereignisse.