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Ethnie Guinea



Fulbe

Die Fulbe (Fula, Fulani, Massina, Peul, Peulh) sind in grossen Teilen Westafrikas ein ursprünglich nomadisierendes Volk, das heute aber überwiegend sesshaft ist. Die Eigenbezeichnung lautet Halpular (die Pular sprechen).


In Guinea leben mindestens 4 Millionen Fulbe. In Mali leben etwa 911.200–1.390.000 Fulbe, in Ghana etwa 7.300–10.000, in Burkina Faso rund 6.300, in der Côte d'Ivoire etwa 1.400. Die Fulbe leben in kleinsten Gruppen auch in weiteren Staaten, zwischen Mauretanien und Sudan, besonders in Kassala, auch im Norden Kameruns.


Zu den Fulbe gehören eine Vielzahl von Clans wie Umm Bororo, Uda, Djafun, Dooga, Dindima, Adamawa, Danedji, Sisilbi, Fuuta, Boodi, die alle zu den Wodaabe in Niger gehören und die Tukulor in Mauretanien und Senegal.

 

Die ethnologische Herkunft der Fulbe ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die frühen europäischen Ethnologen des 19. und 20. Jahrhunderts waren sich über den Ursprung der Fulbe sehr uneinig. Die Fülle der widersprüchlichen Ansätze lässt sich durch den etwas fremdartigen Charakter der Fulbe erklären. Die Fulbe praktizieren traditionell eine strikte Endogamie, was zu einer weitgehenden Isolation führt und durch ihr traditionelles Nomadendasein noch verstärkt wird. Die Fulbe sind kulturell als auch linguistisch klar der westafrikanischen Sphäre zuzuordnen. Dennoch bestehen einige Parallelen zu den Nomadenvölkern Ostafrikas, die einen möglichen ostafrikanischen Ursprung oder zumindest eine starke Beeinflussung nicht ausschliessen können.


Die Fulbe selbst sehen sich heutzutage als Nachfahren der mekkanischen Araber, die den Propheten Mohammed begleiteten. Diese Sicht ist auf starken Einfluss des Islam zurückzuführen. In den mündlichen Traditionen der Fulbe ist von einem mythischen Ursprungsland, das sie als "Héli e Yôyo" bezeichnen, die Rede. Sie hätten in diesem Land gelebt und zweiundzwanzig seiner Herrscher seien Fulbe gewesen. Allerdings seien sie aus "Héli e Yôyo" von ihrem höchsten Gott, "Geno, dem Ewigen", verbannt worden, nachdem sie sündig geworden seien. Das Land habe sich zwischen dem Fluss "Milia" und dem "Meer der Freude" befunden. Diese Geschichte entspricht im Wesentlichen den Ursprungsmythen vieler Völker, die zu einer gewissen Zeit im irdischen Paradies gelebt hätten, bis sie aufgrund von Nachlässigkeit verbannt worden seien.


Dennoch gibt es Ansätze, das Land zu lokalisieren. Der guineische Autor Tierno Monénembo setzt Héli e Yôyo in seinem Werk "Peuls" mit Ägypten gleich. Dieses liege zwischen dem Nil und dem Roten Meer.


Die Fulbe sind traditionell ein nomadisches Volk, allerdings ist wahrscheinlich die Mehrheit von ihnen im Zuge ihrer Islamisierung sesshaft geworden. Traditionell befolgen die Fulbe einen strengen Kodex, das Pulaaku. Das Pulaaku schreibt den Fulbe vor, wie sie sich in jeglicher Situation zu verhalten haben. Er determiniert die gesamte soziale Struktur. Das Pulaaku ist eine Lebenseinstellung, die den Grundstein der Kultur der Fulbe bildet.


Das Pulaaku gründet sich auf drei Säulen:

1. munyal: Hierbei handelt es sich um die Selbstbeherrschung, ein Pullo soll sich immer ruhig verhalten und darf sich nicht seinen Emotionen hingeben. 2. semteende: Hierbei handelt es sich um die Zurückhaltung und vor allem Ehrlichkeit, die für den Pullo von grosser Bedeutung ist.

3. hakkile: Geist ist eine der wichtigsten Eigenschaften des Pullo, ein Pullo soll weise und gebildet sein, denn nur der Weise ist dazu in der Lage, sich selbst zu beherrschen und bescheiden zu leben.


Aus den drei Grundsätzen lassen sich folgende Regeln ableiten:

1. wata a hersa: Sei dir selbst kein Anlass zur Schande!

2. wata a hula: Habe keine Furcht!

3. wata a fena: Lüge nicht!


Das Nichtbefolgen des Pulaaku bringt den Ausstoss aus der Gruppe der Fulbe mit sich. Um das Pulaaku allerdings verstehen zu können, bedarf es eines exakten Verständnisses der Sprache.


Ihre Sprache, das Ful oder Fulfulde (der westliche Dialekt wird oft als Pulaar/Poular bezeichnet), gehört zum westatlantischen Zweig (atlantische Sprachen) der westsudanesischen Untergruppe der Niger-Kongo-Sprachfamilie. Allgemein wird das Fulfulde aufgrund seiner Grammatik als eine der komplexesten Sprachen überhaupt angesehen.


Auch die Namen der Clans haben eine Bedeutung. Bei den Fulbe existieren vier grosse Clans, die sich jeweils in Unterclans gliedern: Bâ, Diallo (Ka, Dia), Barry und Sow.


Die Bâ gelten als die Gelehrten, sie kennen sich vor allem in wissenschaftlichen und weltlichen, aber auch geistlichen Dingen aus. Die Diallo sind die Krieger und haben eine soldatische Einstellung. Die Barry sind sowohl Kaufleute als auch Herrscher, sie haben die politische Macht inne. Die Sow sind die Initiatoren und kennen sich am besten mit den Rindern aus.

Die traditionelle Kleidung der Fulbe besteht aus farbenreichen, wallendem Gewand. Typisch für die Fulbe-Frauen sind Henna-Zeichnungen in den Gesichtern. Männer sind mit den typischen Turbanen und Gesichtsschleiern gekleidet, womit sie äusserlich den Tuareg teilweise ähneln können. Typisch ist aber noch der konische Strohhut, wie er teilweise getragen wird.


Kissi

Die Kissi sind eine Ethnie in Westafrika. Sie sind in Liberia, Sierra Leone und im Süden Guineas ansässig und haben eine Bevölkerunganszahl von etwa 526.000. Ihre Sprache ist die atlantische Sprache Kissi. Es gibt unter den Kissi sowohl Christen als auch Muslime und Animisten. Die alten Menschen spielen in der Gesellschaft der Kissi eine wichtige Rolle. Die Beschneidung von Frauen und Mädchen ist unter ihnen verbreitet.


Typische Kissi-Namen sind für Jungen Saa, Saah, Sarh (erster Sohn) und Tamba (zweiter Sohn) und für Mädchen Sia (erste Tochter), Kumba (zweite Tochter) und Finda (dritte Tochter). Die wichtigste Nahrungsquelle der Kissi ist Reis. Beim Reisanbau sind sie Spezialisten. Trockenreis bauen sie auf Berghängen und Hügelrücken der südlichen Feuchtsavanne an. Nassreis wird ohne künstliche Bewässerung in natürlichen Sümpfen von Talsenken und im nördlichen Regenwald angebaut.




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