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Tiken Jah Fakoly


Tiken Jah Fakoly, eigentlich Doumbia Moussa Fakoly (* 23. Juni 1968 in Odienné, Côte d'Ivoire) ist ein ivorischer Musiker. Er gilt als einer der einflussreichsten Reggaemusiker Afrikas.


Doumbia Moussa Fakoly wurde im Nordwesten der Côte d'Ivoire geboren und entstammt einer Familie von Grioten. Früh entdeckte er die Reggaemusik und gründet seine erste Band, die "Djelys". Mit ihr erlangte er nationale Bekanntheit.


Nach dem Tod des ersten Präsidenten der Côte d'Ivoire Félix Houphouët-Boigny erlangte Fakoly grosse Popularität durch seine politischen Texte. Seither etablierte sich der "Reggae-Protest-Sänger" Tiken Jah Fakoly als fester Bestandteil der Musikszene Westafrikas.


Tiken Jah Fakoly spielt Roots-Reggae und singt dabei meist auf Französisch oder in afrikanischen Sprachen, manchmal auch auf Englisch. Fast alle seine Songtexte sind stark politisch.


Immer wieder kritisiert er Korruption und Machtmissbrauch durch die politischen Eliten der Côte d'Ivoire und Afrikas im Allgemeinen. Mit seinem Lied Le balayeur balayé ("der hinweggefegte Feger") nimmt Tiken Jah Fakoly General Robert Guéï auf die Schippe. Dieser hatte bei seinem Militärputsch erklärt: "Wir sind gekommen, um das Haus durchzufegen." Nachdem Gueï sich weigerte, den Wahlsieg seines Gegners Laurent Gbagbo anzuerkennen, wurde er durch Demonstrationen im Jahr 2000 aus dem Amt gejagt.


Kritik übt Tiken Jah Fakoly aber auch an der Ausbeutung Afrikas durch die Erste Welt. Sklaverei, Kolonialismus, Neokolonialismus und Globalisierung seien nichts als sich wandelnde Formen der immer gleichen Ausbeutung Afrikas. Diese Ausbeutung werde mit grossem Zynismus betrieben, was Tiken Jah Fakoly mit dem Begriff "blaguer tuer" ("Witze machen und töten") zu beschreiben versucht: "Auf der einen Seite tut man so, als möge man uns, auf der anderen Seite massakriert und tötet man uns. Zum Beispiel ist die französische Armee, die angeblich die internationale Gemeinschaft schützen möchte, schlicht und einfach in der Côte d'Ivoire, um französische Interessen zu schützen."  Im gleichen Zusammenhang sei auch der Waffenhandel mit Afrika zu sehen, den Tiken Jah Fakoly im Lied "Françafrique" kritisiert. Erst verkaufe man Afrika Waffen, um sich dann angeblich darüber zu wundern, dass mit diesen Waffen in Afrika Bürgerkriege geführt werden.


Demgegenüber tritt Tiken Jah Fakoly für Demokratie und die Einheit Afrikas ein. Er setzt sich für einen Schuldenerlass für die afrikanischen Staaten ein und hat sich der globalisierungskritischen Bewegung angenähert.


Auch gegen die Beschneidung weiblicher Genitalien setzt er sich ein, etwa mit seinem Lied Non à l'Excision.


So kritisiert Tiken Jah Fakoly 1996 in seinem Song Mangercratie die politische Führung seines Landes und tritt für das Recht eines Jeden auf Nahrung ein. Dieser Protestsong hielt sich trotz Zensur monatelang in den Charts.

Im Jahr 1998 hatte er mit einem Konzert in Paris seinen ersten Auftritt in Europa.

Tiken Jah Fakoly ist einer der Sänger auf dem Album Drop the Debt, dessen Erlös dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac und African Consciences zugutekommt.

Ende 2004 vollendete er schliesslich sein neues Album Coup de Gueule. Tausende reisten extra von der Côte d'Ivoire nach Mali um es unzensiert und live hören zu können. Bisher wurde es allein in Westafrika über 500.000mal offiziell verkauft; bedingt durch die beträchtliche Anzahl illegaler und unlizenzierter Kopien ist allerdings davon auszugehen, dass die tatsächliche Anzahl um ein Vielfaches höher liegt.


In seinen Texten kritisiert er die politische Elite verschiedenster afrikanischer Länder scharf. Seit seinem 2002 veröffentlichtem Album Francafrique sah sich Tiken Jah Fakoly verstärkt politischer Repressionen ausgesetzt. In Folge von Morddrohungen durch Anhänger von Laurent Gbagbo und dem Mord an mehreren seiner Freunde entschied sich Tiken Jah Fakoly im Jahr 2003 nach Mali ins Exil zu gehen. Er lebt seitdem in Malis Hauptstadt Bamako. Von dort aus setzt er sein musikalisches Werk und sein politisches Engagement fort. Stark kritisiert wird in mehreren Liedern auch die Afrikapolitik der französischen Regierung, welche in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten massiv afrikanische Diktaturen unterstützte und festigte.



Diskographie


1996: Mangercratie

1999: Cours d'histoire

2000: Le Caméléon

2002: Françafrique

2004: Coup de Gueule

2007: L'Africain

2008: Live in Paris

2009: Le Caméléon (Europa)

2010: African Revolution

2014: Dernier Appel

2015: Racines


Tiken Jah Fakoly 2011

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