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Westafrikanische Länderkarte

Westafrikanische Länder

Benin  Burkina Faso  Côte d'Ivoire  Gambia   Ghana   Guinea   Guinea Bissau  Kap Verde   Liberia  Mali   Mauretanien  Niger   Nigeria  Senegal  Sierra Leone  Togo Boot.jpg


Typisches westafrikanisches Fischerboot am Strand

Westafrika


Geographie

Mit der Bezeichnung Westafrika wird im Allgemeinen der westliche Teil des Afrikanischen Kontinents verstanden. Das Gebiet erstreckt sich in nördliche Richtung bis etwa zur Zentralsahara und im Süden und Westen bis zum Atlantischen Ozean. Geographisch gesehen gehören zu Westafrika auch die nördlich der Sahara gelegenen Länder des Maghreb.

Die Abgrenzung Westafrikas von Nordafrika und Zentralafrika ist nicht ganz eindeutig festgelegt. Manchmal werden auch die angrenzenden zentralafrikanischen Staaten Kamerun und Tschad zu Westafrika dazugerechnet.

Zwischen der Sahara, dem Atlantik und den Kamerunbergen gelegen, umfasst Westafrika den westlichen Teil der grossen Landschaften des Sahel und die tropischen Regenwälder Oberguineas.


Bevölkerung

Im Übergangsbereich zur Sahara und in Mauretanien leben hellhäutige Berber, Tuareg und Araber, südlich davon vor allem schwarzafrikanische Völker. Viele Westafrikaner sind Anhänger indigener Religionen. Der Islam hat im Mittelalter an Einfluss gewonnen. Minderheiten von Christen leben als Folge europäischer Missionierung vor allem an der südlichen Küste. Es besteht eine Diaspora von Libanesen und Syrern, vor allem in den grossen Städten.


Geschichte

Vor der Ankunft der Europäer bestanden in Westafrika bedeutende Reiche wie Ghana, Mali und Songhai. Ab dem 15. Jahrhundert gründeten Briten, Brandenburger, Dänen, Franzosen, Niederländer, Portugiesen und Schweden Forts und Faktoreien entlang der Küste, vor allem um den lukrativen Sklavenhandel mit Nordamerika betreiben zu können.

Westafrika hatte lange Zeit den Ruf als "Grab des weissen Mannes". Im 18. Jahrhundert starben 25 bis 75 % der neuankommenden Europäer innerhalb des ersten Jahres nach Ankunft an Tropenkrankheiten wie Malaria, Gelbfieber oder der Schlafkrankheit. Später waren es schätzungsweise immer noch gut 10 %. Die Ausbreitung dieser Krankheiten wurde durch die hohe Verbreitung von Malariamücken und Tsetsefliegen sehr begünstigt. Hinzu kamen die schlechten hygienischen Bedingungen während der Regenzeit, welche zusätzlich zur Amöbenruhr führen konnten.

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde die koloniale Aufteilung zementiert. In Westafrika lagen um 1900 die ausgedehnten Kolonialgebiete von Britisch-, Deutsch- und Französisch-Westafrika.

Um 1960 kam es zu einer Unabhängigkeitswelle im Zuge derer zahlreiche westafrikanische Staaten souverän wurden.


Wirtschaft

Die Sahelstaaten gehören zu den ärmsten der Welt, Nigeria ist trotz Ölreichtums stark unterentwickelt. An den Küsten gibt es Monokulturen einer auf den Export ausgerichteten Landwirtschaft. Eine grosse Zahl Westafrikaner betreibt Subsistenzwirtschaft


Kultur

In Westafrika werden über die Hälfte der afrikanischen Sprachen gesprochen. Es dominieren die nigerkordofanische und die afroasiatische Sprachgruppe. Bedeutend für die traditionelle Kultur der Savannen- und Regenwaldvölker sind die mündliche Überlieferung des Wissens durch Griots sowie der Gebrauch von Masken und Tänzen zu zeremoniellen Anlässen.

Bezeichnungen für Regionen in Westafrika


Goldküste

Die Goldküste ist eine historische Bezeichnung für einen Küstenabschnitt in Westafrika, der sich weitgehend mit der Küste des heutigen Ghana deckt. Von den ersten europäischen Entdeckungsfahrten im 15. Jahrhundert bis in das 19. Jahrhundert hinein hielten sich für die gesamte sogenannte "Ober-Guineaküste", also das Gebiet etwa vom heutigen Liberia bis zum heutigen Nigeria, Bezeichnungen, die auf die Produkte hinwiesen, die die Europäer dort einzutauschen hofften.

Von West nach Ost waren das die Pfefferküste, die Elfenbeinküste, die Goldküste und die Sklavenküste. Die Bezeichnung Goldküste weist darauf hin, dass die Europäer an dieser Küste Gold eintauschen konnten, das aus den Fundstätten im Inneren des heutigen Ghana, dem Gebiet der Aschanti, an die Handelsorte an der Küste gebracht wurden. Die Bezeichnung hielt sich bis 1957 im Namen der britischen Kolonie Goldküste, die in diesem Jahr als "Ghana" unabhängig wurde. Der alte Name findet sich manchmal sogar heute noch auf Karten.

Die geografische Bezeichnung "Goldküste" soll nicht von Anfang an üblich gewesen sein, zumal auch am Gambia-River, dem Rio de Cantor der Portugiesen, Gold erhalten wurde, wenn auch nicht in dem Umfang. In portugiesischen und englischen Dokumenten des 16. Jahrhunderts ist zumeist, wenn ein Küstenort nicht konkret benannt, von der Minaküste die Rede. Höchstwahrscheinlich ist der Begriff Goldküste im 17. Jahrhundert mit den Holländern aufgetaucht. Die älteste holländische Beschreibung von Guinea, die von Paludanus (alias Bernardus ten Brocke) aus dem Jahre 1596 stammt (und eigentlich die Fahrten Jan Huygen van Linschotens beschreibt), erwähnt diesen Namen jedoch noch nicht. Eine Erwähnung findet man allerdings beim Schwaben Andreas Josua Ulsheimer, der als Schiffsarzt im Jahre 1603 auf einem holländischen Schiff unter anderem auch an die Goldküste segelte. Er erwähnt in seinem Bericht über diese Reise:

"Alldieweil ich nun den frühling zue Amsterdam zu brachte, waren von Genuesischer Compania zwey schif zu gericht, nachher Guinea auf die Goldkust zu fahren (welche in Africa ligt und ihren Anfang zu Capo Palmas 4 Grad von der Linea Equinoctiali nemet biß nachher kust Acora ob Monte), als in die 120 meilen sich erstreckht...

...Darnach seind wier immer fordt gesegelt, auf das C. de 3 puntas (gemeint ist das Kap der drei Spitzen), an welchem ort sich der recht Goldkust anhebt."

Ende des 17. Jahrhunderts war der Begriff der Goldküste bereits etwas genauer definiert. Er orientierte sich wahrscheinlich an den territorialen Machtgrenzen der europäischen Mächte hier. Wilhelm Bosmann, der in den 1690ern auf der Goldküste weilte, nennt den Beginn der Goldküste "3 Meilen westlich von Assinie (heute: Half Assinie)" und das Ende "beim Dorf Pomni, sieben oder acht Stunden östlich von Aara". Der offizielle Beginn der Goldküste lag wahrscheinlich an der Mündung des "Rio de Suegro d’Acosta" der Portugiesen (unter Einschluss von "Issini pequena" und "Issini grande") und das Ende lag wahrscheinlich am Kap Monte, westlich von Klein-Popo (Anecho im heutigen Togo).

Im Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts setzte sich dann der Begriff immer mehr als Bezeichnung für die Küste zwischen dem Beginn des britischen und niederländischen Einflussgebietes östlich von Kap Palmas und dem Königreich Dahomey durch. Aber auch dieser Begriff geriet ins Wanken und schliesslich wurde nur noch der Abschnitt zwischen Ankobra-Mündung und Volta-Mündung so bezeichnet.



Guinea

Guinea ist ein historischer Begriff für den südlichen Teil von Westafrika.

Der Name wird unterschiedlich abgeleitet. Oft wird auf den berberischen Ausdruck aginaw verwiesen, der "Land der Schwarzen" bedeutet und über das Portugiesische als Guinea in die europäischen Sprachen gelangt sei; es gibt auch Hinweise auf eine Ableitung aus einer Bezeichnung für das historische Reich von Ghana oder für eine Herkunft aus dem lateinischen genu für "Knie" als Name des Bogens der afrikanischen Küstenlinie.

Als bis zu 500 km breiter und über 6.000 km langer halbmondartiger Streifen dehnt sich die Region Guinea entlang der Atlantik-Küste vom Senegal in Westafrika über Teile von Zentralafrika bis nach Angola in Südwest-Afrika aus. Der Bereich zwischen Senegal und Kamerun heisst Oberguinea, der Rest bis nach Angola Niederguinea.

Während Oberguinea, das von der Oberguineaschwelle bestimmt wird, einen breiten Küstenstreifen aufweist, ist die Küste von Niederguinea, das von der Niederguineaschwelle bestimmt wird, eher schmal gegliedert. Beide Teilregionen haben tropische Regenwälder und Savannen.



Pfefferküste

Pfefferküste ist die historische Bezeichnung eines Küstengebietes im westlichen Afrika und umfasst die Küste der Staaten Liberia und Sierra Leone.

Ihren Namen erhielt die Küste vom dort wachsenden Guineapfeffer, heute zumeist Paradieskörner, aber auch Malagettapfeffer oder Meleguetapfeffer genannt, einer Ingwerart, die in früheren Zeiten in Europa als Ersatz für den teuren Pfeffer genutzt wurde. Daher wurde die Küste auch Malaguettaküste genannt.

Im Englischen werden diese Paradieskörner auch "Grain of Paradise" genannt, daher auch der Name Graincoast für die Pfefferküste im englischen Sprachraum wie auf der nebenstehenden Karte. An die Pfefferküste schloss sich im europäischen Sprachgebrauch der Entdeckungs- bzw. Kolonialzeit die Elfenbeinküste, die Goldküste und die Sklavenküste an. Damit war die gesamte Guineaküste nach den Produkten benannt, die für die europäischen Händler dort von Interesse waren. Eine häufig zu findende Bezeichnung für diesen Küstenabschnitt ist auch Windwards Coast ("Küste des Gegenwindes"). Diese Bezeichnung erhielt die Küste offenbar wegen der dort relativ konstanten Windverhältnisse.



Sklavenküste

Die Sklavenküste oder auch Diego Cao (benannt nach dem portugiesischen Entdecker) ist der historische Name der Küste von Togo, Benin und dem westlichen Nigeria. Die Sklavenküste liegt am Golf von Guinea, an der Bucht von Benin und ist ca. 450 km lang. In der Vorkolonialzeit war sie eine der am dichtesten bevölkerten Regionen Westafrikas. Die Häfen an der Sklavenküste waren vom 16. bis 19. Jahrhundert wichtige Zentren des Sklavenhandels.

Im 15. Jahrhundert entdeckten portugiesische Seefahrer, die eine Seeverbindung nach Indien suchten, die Küste. Nach der Entdeckung setzte bald eine Phase der Konkurrenz zwischen Spanien und Portugal ein. Infolge der verschiedenen Prioritäten beider Staaten beschloss man diese aufzuteilen. Portugal übernahm die Expedition des schwarzen Kontinents, Spanien konzentrierte sich auf seine amerikanischen Gebiete. Portugal errang dadurch frühzeitig eine Vormachtstellung, deren Folgen sich noch bis ins 20. Jahrhundert auswirken sollten.

Bald nach der Erkundung des Gebiets setzte ein schwunghafter Handel mit Zwangsrekrutierten und gejagten Afrikanern ein, die zu den verschiedenen Sklavenmärkten der Küste verschleppt wurden. Von dort aus entfaltete sich der Atlantische Sklavenhandel. Etwa 20 Prozent der rund 20 Millionen gefangenen Sklaven wurden an der Diego Cao verschifft.

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Guinea mit den Küstenabschnitten in Westafrika auf einer Karte von  1725