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Ethnie Nigeria



Hausa

Die Hausa (Haussa, Haoussa, Adarawa, Adarawa Hausa, Arawa, Arewa, Fellata, Hausa Ajami, Hausa Fulani, Hausawa, Kurfei, Maguzawa, Soudie und Tazarawa) sind eine Volksgruppe, die in weiten Teilen Nord, West und Zentralafrikas leben. Den Schwerpunkt der Besiedlung bildet dabei der Norden von Nigeria (Provinzen: Kano, Katsina, Sokoto und Zaria) und der Südosten Nigers.


Allein in Nigeria zählte diese Volksgruppe ca. 21 Mio Angehörige. Im Niger leben ca. 5.600.000 Hausa, was etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung des Niger ausmacht. Weitere Angehörige der Hausa sind in vielen Ländern des nördlichen, westlichen und zentralen Afrika in Gruppen verschiedenster Grösse zu finden.


Ein Gründungsmythos der Hausa besagt, der Gründer des Volkes, Bayajidda, sei aus dem Osten gekommen, da er seinem Vater davongelaufen war. Bayajidda kam in den Ort Gaya, in dem er einen Schmied beauftragte, ihm ein Messer zu fertigen. Mit diesem Messer ging Bayajidda nach dem Gründungsmythos in die Ortschaft Daura, in der er die Menschen von der Herrschaft einer heiligen Schlange befreite, die das Volk vom Wasser an sechs Tagen in der Woche fernhielt. Die Königin in Daura gab sich selbst dem Befreier Bayajidda zur Frau und gebar ihm sieben gesunde Söhne. Jedem dieser Söhne wurde ein Teil des Landes zur Herrschaft gegeben und sie gründeten die sieben Hausa-Staaten.


Zwischen 500 n. Chr. und 700 n. Chr. stiegen die sieben Staaten der Hausa (Hausa Bakwai, echte Hausa) langsam zu einer bedeutenden Macht in der Region auf. In der Zeit des Aufstiegs kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Hausa-Staaten im Kampf um die Vorherrschaft in der Region. Erst im 12. Jahrhundert waren die Hausa zur vorherrschenden Macht in der Region geworden. In einer Serie von Heiligen Kriegen wurden die Staaten der Hausa im Norden des heutigen Nigeria in den frühen Jahren des 18. Jahrhundert von den Fulbe besiegt. Die Fulbe gründeten das Sokoto-Kalifat (Sokoto-Imperium), das seinerseits in 15 Emirate unterteilt wurde. Jedes Emirat wurde von einer herrschenden Dynastie der Fulbe regiert.


Die herrschenden Hausa in den Staaten Zaria, Katsina und einem weiteren gründeten an anderen Orten neue Reiche. Diese Reiche wurden Abuja, Maradi und Arguna genannt und blieben im folgenden von weiteren Invasionen der Fulbe unberührt. Die Fulbe, insbesondere die herrschende Schicht übernahmen nach und nach die Sprache und kulturellen Eigenheiten der Hausa, bedingt auch durch Mischehen, die zur Festigung der Herrschaft mit den Nachfahren der ehemaligen Herrscherfamilien eingegangen wurden. Es kam relativ zügig zu einer Vermischung beider Völker, die nunmehr ebenfalls unter die Bezeichnung Hausa fallen. Die Fulbe in den ehemaligen Gebieten der Hausa wurden im Wege der Kolonialisierung von den Briten abgesetzt und das Staatengefüge in das heutige Nigeria eingebunden. Im Norden des Landes spielen die Hausa die dominierenden politische Rolle.


Die ehemaligen Staaten der Hausa waren aristokratisch organisiert. Die Familien, die ihre Herkunft auf den Gründungsvater Bayajidda zurückverfolgen konnten, gehörten der königlichen Familie an. Die Fulbe übernahmen die aristokratisch organisierte Führungsrolle mit eigenen Führern im frühen 18. Jahrhundert.


Die sieben Staaten der Hausa im Norden des heutigen Nigeria nannten sich Biram, Daura, Kano, Katsina, Gobir, Rano und Zaria (Zazzau). Seit der Gründung der Staaten der Hausa waren die sieben Staaten der Hausa verteilten die Stämme die wirtschaftlichen Aufgaben nach der Lage des Staatsgebieten und den vorhandenen Ressourcen. Kano und Rano sind bekannt als "Chiefs of Indigo". Baumwolle wurde von den Hausa stark angebaut, so dass die Hausa Kleidung produzierten und diese mit Karawanen auf Handelsrouten in Westafrika handelten.

 

Biram war der Regierungssitz und Zaria wurde durch die Organisation von Arbeitskräfte bekannt als "Chief of Slaves". Katsina und Daura waren die "Chiefs of the Market", da ihre geographische Lage an den Handelsrouten aus der Sahara diese Städten optimal an den Überregionalen Handel anbanden. Gobir im Westen des Gebietes der Hausa war als "Chief of War" bekannt. Gobir war auch wesentlich am Schutz des Reichs vor Invasoren aus Ghana und den Songhai beteiligt.

 

Kano wird als Zentrum der Kultur und des Handels der Hausa bezeichnet. Die Hausa haben aufgrund der geschichtlichen Ereignisse eine Bindung zu den Fulbe, Songhai, Mandé und Tuareg. Insgesamt sind die Hausa in Westafrika eines der dominierenden Völker. Besonders im Niger, aber auch im Norden Nigerias sind die Hausa bis heute wichtiges Element der modernen Staaten.


Die Volksgruppe der Hausa bekennt sich im gesamten Verbreitungsgebiet ganz überwiegend zum sunnitischen Islam. Wenige gehören noch heute den traditionellen Religionen an (Maguzawa), einige wurden durch die Kolonialmächte zum Christentum bekehrt. Der Islam wurde von den Hausa bereits im frühen 11. Jahrhundert angenommen. Der Überlieferung nach wurde diese Religion zu den Hausa durch Muhommad Al-Maghili gebracht. Er war islamischer Geistlicher, Lehrer und Missionar, der am Ende des 15. Jahrhunderts aus Bornu stammend die Missionierung der Hausa beeinflusste. Der Beginn der Islamisierung verlief friedlich vermutlich durch handelsbedingten kulturellen Austausch und Pilger, die sich als Reisende durch das Land der Hausa bewegten. Die frühe Islamisierung ging mit einer Vermischung des Islams mit den traditionellen Religionen der Hausa einher. Erst mit dem Sieg der Fulbe über die Staaten der Hausa wurde die Islamisierung vermehrt vorangetrieben.


Yoruba

Die Yoruba sind eine Ethnie in Westafrika die dort hauptsächlich in Nigeria lebt. 21 % aller Nigerianer sind Yoruba. Sie leben vor allem in den südwestlichen Bundesstaaten Oyo, Ogun, Lagos, Ondo, Osun, Ekiti und Kwara, ferner in den Nachbarstaaten Benin, Ghana und Togo.


Bezeichnend für die Kultur der Yoruba ist die frühe Gründung von Städten. Bereits im Mittelalter zählten die größten Städte 100.000 Einwohner. Das Siedlungsgebiet der Yoruba ist noch heute das dicht besiedelte Kerngebiet von  Nigeria. 22 der 50 größten Städte Nigerias liegen dort.


Yoruba ist eine Niger-Kongo-Sprache, und neben Hausa, Igbo und Englisch eine der vier Hauptsprachen Nigerias. Es wird in Nigeria, Benin, Togo und Sierra Leone von ca. 30 Millionen Menschen gesprochen. Die Yoruba sind eher eine Sprachgruppe als ein gemeinsames Volk. Es gibt etwa 20 verschiedene Untergruppen. Sie unterscheiden sich in den jeweiligen Dialekten und in religiösen, politischen und sozialen Ordnungen.


Das Siedlungsgebiet der Yoruba war nie ein einheitlicher Staat, sondern zerfiel in viele Stadtstaaten, denen ein König vorstand. Es handelte sich um eine sehr religiös durchsetzte Region. Yoruba-Staaten waren unter anderem Oyo, Ife, Ijebu, Ekiti, Ondo, Egba, Ibadan, Ijesha und Ketu. Der Südwesten Nigerias war bis zum 19. Jahrhundert ein Zentrum des Sklavenhandels. Die Küste trug den Namen Sklavenküste. Die mächtigen Yoruba-Staaten waren aktiv am Handel mit Sklaven aus dem Landesinneren beteiligt. Als die Macht der Staaten, auch als Folge innerer Auseinandersetzungen, zurückging, wurden sie selbst Opfer des Sklavenhandels. Die religiöse Tradition der Yoruba ist heute überwiegend vom Islam und vom Christentum geprägt. Die überwiegend von Yoruba bewohnten Bundesstaaten Oyo, Ogun und Osun haben islamische Mehrheiten.


Bei den Yoruba gibt es eine überdurchschnittliche Häufung von Zwillingsgeburten. Manche Wissenschaftler sprechen sogar von den Yoruba als Volk mit der höchsten Zwillingsgeburtenrate der Welt. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Zwillinge als Teufelswerk angesehen und oft eines oder beide Kinder nach der Geburt getötet. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann man Zwillinge besonders zu verehren. Wegen der hohen Kindersterblichkeit, besonders bei Zwillingen, wurden kleine Holzfiguren, sogenannte Ibejis geschnitzt. Diese trugen dann die Mütter dann als Ersatz für ihr verstorbenen Kinder. Die  Ibejis  sollten den Seelen der verstorbenen Kinder als neue Heimat dienen und die Familien so vor dem Zorn der Zwillingsseele schützen. Die Ibeji wurden wie lebende Kinder gefüttert und gepflegt und sind heute begehrte Sammlerobjekte.



EthnieNigeria.jpg

Verbreitung der Hausa



Nigeria                          

Niger                             

Sudan                           

Kamerun                      

Ghana                          

Tschad                         

Côte d'Ivoire                

Benin                           

Zentralafrikanische Republik

Togo                            

Äquatorialguinea               

Algerien                        

Gabun                           

Kongo                           

Gambia                         

Burkina Faso      



Aufgrund von Einwanderungen nach Europa leben auch in einigen Staaten Europas, insbesondere in Frankreich und Deutschland Bevölkerungsgruppen der Hausa.

ca. 21.000.000

ca. 5.600.000

ca. 489.000

ca. 23.500

ca. 202.000

ca. 158.000

ca. 108.000

ca. 34.000

ca. 29.000

ca. 14.000

ca. 11.000

ca. 9.000

ca. 8.400

ca. 8.100

ca. 7.300

ca. 500-2.000

HausaKarte.jpg

   

Hauptsiedlungsgebiete der Hausa in Nigeria & Niger